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Autor: Maddin

Be aware of bears

Be aware of bears

Hallo zusammen,

heute erzähl ich euch von unserer Erkundungstour durch die kanadischen Rocky Mountains.

Von Revelstoke aus fuhren wir bis nach Golden. Das kleine Örtchen am westlichen Rand des Banff Nationalpark war für eine Woche unsere Heimat und damit Ausgangspunkt für unsere Ausflüge. Man muss zwar gut eine Stunde bis in den Park fahren, aber die Distanzen hier bereiten uns schon längst keine Probleme mehr. Außerdem ist es schwierig im Park selber eine bezahlbare Unterkunft für 6 Nächte am Stück zu finden, wenn man nicht schon 1 Jahr im Voraus bucht. Denn wie es halt so ist mit den schönsten Plätzen der Erde: man ist nicht allein. Der Park wird jedes Jahr von Touristen förmlich überschwemmt. Um den Massen etwas zu entgehen, hilft nur früh aufzustehen und die anstrengenderen Wanderungen in Angriff zu nehmen.

Nachdem uns Tanya (schottische Besitzerin unseres Hostels) und Vikram (indisch-kanadischer Gast und begeisterter Wanderer) über die besten Wanderungen im Park aufgeklärt hatten, strotzten wir geradezu voller Vorfreude auf die nächsten Tage. Als Erstes fuhren wir zu den Takakkaw Falls im Yoho NP, um dort den Iceline Trail zu laufen. Der Weg führt gegenüber des Wasserfalls steil hoch bis an den Rand einiger Gletscher und entlang dieser wieder langsam bergab. Leider wollte das Wetter nicht so wie wir. Die Gletscher hingen teilweise in den Wolken und als wir uns gerade zur Rast hingesetzt hatten, fing es auch noch leicht an zu regnen. Nach 24 km waren wir zurück an unserem Auto und irgendwie enttäuscht von dem Tag. Vikrams Begeisterung hatte in uns wohl zu hohe Erwartungen geweckt, dachten wir.

Zur Entspannung fuhren wir am nächsten Tag das Bow Valley ab. Diese „ruhigere“ Nebenstraße zum Highway soll der ideale Platz zur Wildtierbeobachtung sein. Alle paar Meter und an jedem Aussichtspunkt weisen riesige Schilder (z.B. „be aware of bears“) auf die Anwesenheit von Bären hin. Wir sind extra früh los und extrem langsam gefahren, aber bis auf einen einsamen Coyoten haben wir nichts entdeckt. Zur Überwindung des erneuten Dämpfers gab es Kuchen und Caramel Latte in dem Örtchen Banff. Auf dem Heimweg haben wir es dann nochmal durchs Bow Valley versucht. Wir wollten unbedingt unseren ersten Bären sehen. Wieder ohne Erfolg. Dafür haben wir noch eine Wanderung durch den Johnston Canyon zu dessen zwei Wasserfällen gemacht. Auch nach diesem Tag mussten wir uns eingestehen, dass wir uns mehr erhofft hatten. Alle schwärmen immer von der schönen Natur Kanadas und den vielen Tieren. Wir hingegen haben in Amerika mehr Tiere gesehen und vergleichen die Natur an jedem Ort immer mit der Natur in Neuseeland. Dagegen ist in unseren Augen eben nur schwer anzukommen. Außerdem kamen uns die Rocky Mountains bis dahin eher wie die überdimensionierten heimischen Alpen vor, was zwar nicht schlecht ist, aber uns eben auch nicht umhaut. Dementsprechend fiel es uns schwer die Motivation zum Frühaufstehen beizubehalten. Ich kann euch aber sagen: die nächsten drei Tage haben uns dann doch umgehauen. Wie so oft hatte die Sonne einen großen Anteil an unserem besseren Befinden, aber wir sind nun mal Gutwetterkinder.

Unseren ersten Sahnetag verbrachten wir mit einer Wanderung vom Moraine Lake durch das Larch Valley hoch auf den Sentinel Pass. Dort oben schaut man auf der einen Seite ins Larch Valley runter und auf der anderen Seite ins Paradise Valley. Wahrlich paradiesisch! Wir hätten gerne unsere Brotzeit dort genossen, aber der aufkommende eisige Wind und die aggressiven Streifenhörnchen waren uns zu viel. Dennoch würde ich jederzeit wieder dort hoch gehen, denn der Ausblick war toll und die Brotzeit hat schließlich weiter unten auch noch geschmeckt. 🙂

Am nächsten Tag wollten wir nicht so weit wandern und da kam uns eine Attraktion vor der Haustür von Golden ganz gelegen. Für 40 Dollar bekommt man ein Kombi-Ticket für die dortige Gondel und den dort lebenden Grizzlybären. „Boo“ ist ein 15 Jahre alter männlicher Grizzly, dessen Mutter – von einem dieser dämlichen Trophäenjäger – erschossen wurde als er noch ein Baby war. Anstatt ihn in einen Zoo zu geben, entschloss sich die Gemeinde Golden ihm ein möglichst natürliches Leben zu ermöglichen. Sie bauten ein riesiges Gehege an ihrem Skihang. Dort lebt er nun mit allen Annehmlichkeiten die ein Bär in Gefangenschaft haben kann. Er hat genügend Rückzugsmöglichkeiten und ist auch schon 2 Mal ausgerissen. Jedes mal am Todestag seiner Mutter. Doch er kam beide Male zurück. Wir haben ihn für 1 Stunde am Gehege besucht und bei einem Vortrag seiner Pflegerin viel über Bären gelernt. Wir hatten Glück, denn er wanderte anfangs noch am Zaun entlang. Später zog er sich in den Schatten der dichten Bäume zurück. Anschließend fuhren wir mit der Gondel hoch auf den Berg, um uns oben mit Tanya zu treffen. Sie und Tascha (ein Hostelgast) begleiteten uns auf der Gratwanderung entlang des Kicking Horse Mountain Resorts. Der 360-Grad-Rundumblick über die Berge und Täler war mindestens genauso beeindruckend wie der Blick auf die Abfahrten, die hier im Winter gefahren werden. Was in Kanada als blaue Route durchgeht, wäre bei uns locker ne schwarze Piste. Tanya erzählte uns viel über die Region und die Berge. Auch über ihre schottische Heimat haben wir viel Interessantes erfahren. Vielleicht besuchen wir sie nächstes Jahr, wenn sie auf Heimaturlaub ist. Zusätzlich zu dem schönen Ausblick und den vielen Informationen konnten wir sogar noch die seltenen Bergziegen gegenüber zwischen den steilen Klippen entdecken. Weil wir um 17 Uhr nach der letzten Gondel noch nicht ins Hostel zurück wollten und noch Energie hatten, sind wir spontan zu den Wapta Falls gefahren. Dort hab ich mir beim Versuch unter einem umgestürzten Baum drunter durch zu kriechen einen Nerv im Rücken eingeklemmt. Man muss sich das mal vorstellen: ein 27 jähriger Beamter geht mal ein paar Tage wandern und schon macht der Rücken schlapp. Wie peinlich! Seitdem darf Tina immer den Tagesrucksack tragen und schlägt sich dabei besser als ich. 🙂 Der Wasserfall selbst war ganz ok. Zum Glück stand die Sonne günstig und zauberte uns einen Regenbogen ins Bild. Das entschädigte für den eingeklemmten Nerv.

Am nächsten Tag standen wir wieder um 6 Uhr auf der Matte um rechtzeitig zum Lake Louise zu kommen. Der wohl bekannteste Gletschersee des Nationalparks ist meist voll von Touristen. Um den Massen etwas zu entgehen muss man wie gesagt rechtzeitig mit der Wanderung beginnen. Wir wanderten hoch zum Agnes Lake, von dort über den Little Beehive zum Plain of the Six Glaciers Teahouse und noch etwas weiter bis zum Gletscher. Es war zwar viel los, aber irgendwie haben wir es geschafft dem Rummel etwas aus dem Weg zu gehen. Wir konnten gut die tollen Aussichten auf den türkisen See und die Berge genießen. Insgesamt haben wir uns an diesem Tag viel Zeit gelassen und sind am Ende sogar noch in den 3 Grad kalten Lake Louise gehüpft. Naja zumindest ich. Tina hat es gereicht bis zu den Wanden rein zu gehen und selbst das schmerzt nach ein paar Sekunden doch gewaltig. Ich muss fairer Weise sagen, dass es am Körper nicht ganz so weh tut wie an den Füßen.

Nach diesen drei wunderbaren Tagen können wir Vikrams Euphorie für die Rocky Mountains nun auch nachvollziehen. Es fiel uns wirklich schwer Golden hinter uns zu lassen und am nächsten Tag nach Jasper weiterzuziehen. Die beiden Nationalparks sind durch den sogenannten Icefields Parkway verbunden. Die Straße führt durch die Berge vorbei an Bergseen, Gletschern und blühenden Wiesen. Auf den 230 km von Lake Louise nach Jasper sind mehrere Stopps Pflicht. Eine größere Wanderung ist nie nötig um zu den tollen Aussichtspunkten zu gelangen. Mal wieder typisch amerikanisch. Dementsprechend ist auf dem Weg einiges los und vor allem die vielen Touri-Busse sind oft nervig. Die Busfahrer brettern durch die schöne Landschaft als wären sie beim Nascar-Rennen und viele der meist asiatischen Touristen können sich oft nicht benehmen. Wir waren zum Beispiel an dem wunderschön spiegelnden Bow Lake und alle machten ihre Fotos bis eine Gruppe Asiaten an den See kam. Prompt flogen die Steine ins Wasser und vorbei war es mit dem Spiegeleffekt. Da konnte ich nicht an mich halten. Als die Eltern ihre Kinder und Jugendlichen beim Werfen auch noch fotografierten anstatt sie zu bremsen, sind mir doch tatsächlich ein paar nicht so nette Wörter über die Lippen gehuscht. Ganz verdutzt standen die Gruppe da und verstanden offensichtlich nichts von meiner englischen Wutrede. Naja. Aber mir ging es besser. Ich habe keine Ahnung welcher Nationalität die meisten asiatischen Touristen hier angehören und eigentlich ist es mir auch egal. Aber mich wundert es schon ein bisschen, dass wir auf unserer Reise, ob in Thailand, Malaysia, Singapur oder Japan nicht einmal dieses rücksichtslose Verhalten erlebt haben, welches wir hier tagtäglich erleben. Ganz im Gegenteil. Bis auf den Diebstahl in Malaysia waren wir meist begeistert von diesen Ländern und deren Einwohnern. Speziell die Ordnung und Mentalität in Japan fanden wir toll. Ich habe wirklich keine Erklärung für diesen Unterschied zwischen den Asiaten in Asien und den Asiaten auf Reisen. Vielleicht ist es das Geld, das den Charakter verdirbt oder vielleicht haben sie eine andere Erziehung genossen als ihre daheimgebliebenen Landsleute. Ich weiß es nicht!

Genug verallgemeinert, zurück zum Thema. Neben dem Bow Lake gibt es noch diverse Stopps die abgeklappert werden müssen. Einer ist der Aussichtspunkt des Peyto Lake. Der größte Gletschersee der Region ist von oben betrachtet durch seine Farbe und Größe sehr eindrucksvoll. Eine der weiteren Hauptattraktionen ist zweifelsohne der Athabasca Gletscher. Hier werden unzählige Touren auf und um das Eis angeboten. Dementsprechend viel los ist auch hier. Wir hatten aufgrund der ungewissen Wetterprognose keine Tour vorgebucht und im Endeffekt hat es uns auch gereicht bis an den Rand der Gletscherzunge zu gehen. Wir haben schließlich in Hintertux schon einmal einen Gletscher von innen gesehen. Was hier das Besondere und zugleich Erschreckende war ist, dass man sehen kann wir stark der Gletscher in sehr kurzer Zeit geschrumpft ist. Der heutige Parkplatz war noch vor 100 Jahren komplett mit Eis bedeckt. Nun muss man fast 20 Minuten von dort bis an den Rand des Gletschers laufen und passiert dabei immer wieder Schilder mit Jahreszahlen, die einem den Rückgang des Eis eindrücklich aufzeigen. Wissenschaftlich mag es darüber unterschiedliche Meinungen geben. Ich fand es bedrückend zu sehen, wie stark sich die Umwelt unter unserem Einfluss verändert.

Nun aber zu unserem persönlichen Highlight des Tages. Wir haben endlich Bären in freier Wildbahn gesehen. Wobei die freie Wildbahn hier die Wiesen neben den Highways sind. Die Schwarzbären sind scheinbar an die vorbeirauschenden Autos gewöhnt und stören sich auch kaum an den Staus, die sie meist verursachen. In so einen Stau sind wir hineingefahren. Wir rechneten eigentlich mal wieder mit einem Hirsch, der in der Nähe der Straße sein Geweih präsentiert, aber bei genauerem Hinsehen stellte sich der Hirsch als Schwarzbär heraus. Der Rummel wurde dem Bären schnell zu viel und er entzog sich den Kameras der teils unvernünftig nahen Hobbyfotografen. So schnell wie die Standstreifen voll waren, so schnell waren alle auch wieder auf der Straße. Fast alle Autofahrer scheinen es hier erstaunlich eilig zu haben. Tina und ich hielten alleine noch etwas Ausschau. Ich war gerade ausgestiegen und hinters Auto gelaufen, um das Dickicht besser durchblicken zu können, da höre ich Tina rufen und sehe gerade noch wie der Schlawiner mich ausgetrickst hat. Schnurstracks hoppelte er 10 Meter vor unserem Auto über die Straße, während wir ihn hinter uns vermuteten. Auf der anderen Seite konnten wir ihn noch einige Minuten zwischen den Bäumen beobachten ehe sich wieder viele Schaulustige einfanden und er sich zurückzog. Wir waren unendlich glücklich über diese Begegnung. Bären sind einfach tolle Tiere.

Nach dem Abendessen in Jasper mussten wir noch 1,5h westlich zu unserer Unterkunft in Valemount fahren. Wir sahen noch einen schönen Hirsch und unseren zweiten Bären. Diesmal hatten wir ihn ganz für uns, denn schlau wie er war, nahm er schnell Reißaus als wir umkehrten und am Standstreifen anhielten. Vorher schaute er uns ungläubig an als wolle er sagen: „Warum haltet ihr mitten am Highway, ihr Verrückten?“ 🙂

In Valemount verbrachten wir drei Nächte. Wir fuhren zwei Tage nach Jasper in den Nationalpark, wobei wir eine ruhigere Kugel als in Banff schoben. Eigentlich wollten wir am ersten Tag eine Tageswanderung zu den Bald Hills machen. Auf dem Weg zum Ausgangspunkt der Wanderung haben wir auf einem anderen Parkplatz erstmal drei Dickhornschaafe gesehen. Scheinbar haben unsere Körper danach entschieden, dass das genug Action für den Tag war. Denn anstatt voller Tatendrang in die Wanderschuhe zu schlüpfen, reichte uns ein Blick in das müde Gesicht des Anderen. Wir waren fertig! Vom frühen Aufstehen, vom langen Fahren, von den vielen Eindrücken. Zum Glück ist unser Energielevel da genau gleich und statt der anstrengenden Wanderung, gab es eben ein Schläfchen im Auto mit anschließendem Picknick am See. Auf dem etwas verfrühten Rückweg machten wir noch kurz Halt am Maligne Canyon und sahen unseren 3. Bären in zwei Tagen. Alles richtig gemacht!

Der nächste Tag wurde ebenfalls entspannt. Am Fuße des Mount Edith Cavell genossen wir eine kurze Wanderung mit ausgedehnter Pause auf einer Bergwiese. Zwei Gletscher auf Augenhöhe, der dazugehörige See unter und die Sonne über uns lagen wir da und lasen einfach mal unsere Bücher. Da der Parkplatz sehr klein ist, werden nur begrenzt Genehmigungen für die Zufahrt ausgestellt. Diese kann man sich bis zu 2 Tage im Voraus am Besucherzentrum ausstellen lassen. Durch diesen Umstand waren wir fast ungestört. Und als könnte es im Jasper NP nicht anders sein, haben wir auch dieses mal wieder Bären gesehen. Zwei Jungtiere stolperten über und entlang der Serpentinenstraße. Wir hoffen, dass ihr Mutter auch in der Nähe war, obwohl wir sie nicht sehen konnten. Leider haben wir nicht schnell genug die Kamera anbekommen und hatten nicht den Platz an vorderster Front, aber vielleicht könnt ihr die süßen Kerlchen trotzdem erkennen.

Ein schöner Abschluss für die kanadischen Rocky Mountains.

Auf unserem Weg zurück nach Vancouver bauten wir noch zwei Stopps ein. Zuerst in Clearwater, wo wir die Helmcken Falls und noch zwei andere Wasserfälle abklapperten. Kein wirkliches Muss für alle die mal in die Ecke kommen. Die Fahrt zu unserem zweiten Stopp (Whistler) soll laut Erzählungen ebenfalls eine wunderschöne Route sein. Sehen konnten wir davon nichts. Der dichte Rauch der umliegenden Buschfeuer umhüllte die Berge und behinderte so unsere Aussicht. In Whistler selbst blieben wir zum Glück vom Rauch verschont. Dort fanden 2010 die Olympischen Winterspiele statt. Das kleine Örtchen hat uns sehr an Queenstown (Neuseeland) erinnert, weil es nur so von Mountainbikern und anderen Extremsportlern wimmelte. Die Gondeln und Skipisten werden im Sommer nämlich fürs Downhill genutzt. Für uns waren die Abfahrten etwas zu steil, deswegen haben wir uns für die adrenalinarme Variante entschieden. Wir sind zur olympischen Biathlonanlage gefahren und haben uns dort an den Gewehren versucht. 5 Versuche im Liegen auf die Scheiben, die normalerweise im Stehen benutzt werden. Tina wurde dabei von einer gemeinen Fliege attackiert. Dennoch hat sie 3 von 5 geschossen und mich damit gehörig unter Druck gesetzt. „Bloß nicht weniger als 3!“, dachte ich als ich mich in Position legte. Zum Glück hab ich die Nerven behalten und bin mit einer weißen Weste davongekommen. Begleitet wurden wir an diesem Tag von Jamie und Nic. Die beiden Engländer hatten wir am Tag zuvor beim Billiardspielen im Hostel kennengelernt. Mit ihnen haben wir viel gelacht und auch den zweiten Abend mit Billiard, Tischtennis und Kickern verbracht.

Das Auto mussten wir am nächsten Tag Mittag in Vancouver abgeben und hatten anschließend noch einen halben Tag in der Stadt, die wir nun schon zum 4. Mal besuchten. Bisher waren die Besuche immer nur eine Art Durchreise gewesen, also mussten wir uns doch noch mal mehr anschauen. Wir liehen uns 2 Fahrräder aus und sind eine Runde im bekannten Stanley Park herumgefahren. Das war ganz schön, wobei der Park nicht mit dem Englischen Garten mithalten kann. Allein schon weil die Biergärten fehlen. 🙂

Zum Abschied feuerte Vancouver noch ein 25-Minuten-Feuerwerk in den Himmel. Wir hatten mal wieder unglaubliches Glück und waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Es fand nämlich gerade ein Wettbewerb zwischen drei Teams aus Japan, Großbritannien und Kanada statt. Ausgerechnet an dem Abend waren die Briten dran. Wir saßen am Strand auf einem Baumstamm und waren verblüfft, was es alles für Raketen gibt. Vieles hatten wir so noch nie gesehen. Wie schon öfters während der Reise machten wir auch hier am letzten Tag unseren Frieden mit der Stadt.

Seitdem ist es erst einmal vorbei mit der Natur. Für uns hat die Zeit der Städte begonnen. Wir stecken mittendrin in unserem Marathon der Städtetrips (Toronto – Quebec – Montreal – New York -Washington). Seit gestern sind wir in Montreal. Mehr dazu gibt es dann im nächsten Beitrag. Es bleibt also spannend.

 

Bis dahin, macht es gut!

Eure Weltenbummler

 

Wo die Shoshonen schön wohnen

Wo die Shoshonen schön wohnen

Howdy ihr Bleichgesichter,

heute gibt es mal wieder was zu lesen.

Als wir uns das letzte mal gemeldet haben, waren wir gerade auf dem Weg Richtung Denver um mit den Amis ihren Independence Day zu feiern. Da wir dabei eh die Rocky Mountains durchqueren mussten, haben wir gleich einen Abstecher auf den Mount Evans gemacht. Den 4.348 Meter hohen Berg vor den Toren Denvers kann man ganz locker mit dem Auto erklimmen. Fast bis zum Gipfel führt nämlich die höchst gelegene Straße Nordamerikas. Nur die restlichen 100 Meter bis ganz nach oben mussten wir selbst laufen für einen 360-Grad-Blick über die Rockies. Das Beste waren aber die Schneeziegen, die so ruhig über den Parkplatz spazierten, als würden nicht gerade 50 Menschen um sie herum stehen.

Wir kamen am 03.07. in Denver an und wussten, dass auch schon am Vortag zum Independence Day kräftig was los ist in der Stadt. Die Amis feiern nämlich nicht nur einen Tag, sondern gleich das Wochenende davor auch noch mit. Am Rathaus fand ein kostenloses Konzert mit anschließendem Feuerwerk statt. Tina und ich saßen 4 Stunden auf dem Rasen und genossen die Atmosphäre. Um uns herum hunderte Amerikaner, größtenteils in ihren Nationalfarben. Die meisten waren mit der ganzen Familie da, machten Picknick oder saßen in ihren Campingstühlen. Tina hatte ihre wahre Freude beim Leutebeobachten. Zwischendurch spielte eine gute Band Stimmungslieder, verschiedene Persönlichkeiten Denvers hielten Reden und eine Armeekapelle gab ihre Märsche zum Besten. Mal abgesehen vom Fahnenmeer während der Nationalhymne war hier jedoch keiner der Musik wegen gekommen. Man merkte wie alle nur auf das Feuerwerk warteten. Die Fotografen brachten sich in Stellung und wurden nicht enttäuscht. Knapp 15 Minuten lang leuchtete der Himmel über dem Rathaus hell auf und auch das Haus selbst wurde extra angestrahlt. Wir waren begeistert! Von einem Pärchen neben uns haben wir anschließend noch den Tipp bekommen am nächsten Tag zum Baseball zu gehen. Das macht man als echter Ami schließlich an seinem Feiertag und das Feuerwerk dort soll das Beste der Stadt sein. Na gut! Wir hatten eh keinen Plan also sind wir am 04.07. erst nochmal kreuz und quer durch die wirklich schöne Stadt gelaufen und haben uns dann Karten für das Spiel am Abend gekauft. Bei Wikipedia schnell noch die Regeln verinnerlicht, einmal kurz Tabelle gecheckt (Wow die Colorado Rockies sind echt gut!) und schon waren wir bereit für das Spektakel. Zu unserer Verwunderung waren die Karten, die wir gekauft hatten, Stehplatzkarten. Wegen des Feuerwerks wurden 3.000 zusätzliche Karten verkauft und die Leute mussten eben stehen. Zum Glück fanden Tina und ich noch einen Platz mit guter Sicht direkt aufs Spielfeld. Tina war 3 Stunden lang voll dabei, auch wenn die Rockies mies waren und mit 8:1 verloren. Mich hat der Sport nicht vom Hocker gerissen, aber das Drumherum und der Blick aus dem Stadion auf die Rocky Mountains im Hintergrund war cool. Seit dem Tag hat die USA für uns einen eigenen Soundtrack…

Wir haben das Lied jetzt fast jeden Tag gehört und gröhlen immer noch mit als wären wir im Stadion. 🙂

Und jetzt zum Feuerwerk… 20 Minuten zur Musik von The Boss, Elvis, etc. …  Ohne Worte…

https://youtu.be/-p4me40dUtU

Wenn die Amis was können, dann ist es definitiv ihren Nationalfeiertag zu zelebrieren. Wir waren froh das einmal miterlebt zu haben.

Nun wollten wir aber mehr von den Rocky Mountains sehen und auch mal richtig Wandern gehen. Dafür haben wir uns 2 Nächte in Estes Park einquartiert. Direkt am Eingang des Nationalparks liegt das Örtchen perfekt für Ausflüge in den Park. Wir haben eine einsame 24km-Tageswanderung zum Lawn Lake und zurück gemacht, bei der wir duzende Murmeltiere und sogar zwei Elche aus der Nähe sehen konnten. Am nächsten Tag waren wir am Bear Lake und Emerald Lake unterwegs. Der Weg ist nicht ganz so weit und deswegen sind dort auch viel mehr Leute. Da wir den Massen etwas entgehen wollten, sind wir im Anschluss noch etwas „amerikanisch Wandern“ gefahren. Es ist wirklich unglaublich, wo die hier überall Straßen hin bauen. In fast jedem Park gibt es eine Panoramastraße mit mehreren Aussichtspunkten, dass man nur noch kurz für ein Foto aussteigen muss. So kam es dass wir auf der „Old Fall River Road“ mitten im Wald im Stau standen. Tina und ich konnten es nicht fassen. Oben angekommen wurden wir mit einem tollen Ausblick belohnt und wir konnten eine Gruppe von Hirschen beim Grasen beobachten.

Als nächstes Ziel hatten wir die Black Hills mit dem bekannten Denkmal Mount Rushmore auserkoren. Ebenso in den Black Hills findet man das Indianer-Denkmal von Crazy Horse. Die 22 Dollar für ein noch nicht fertiges Kunstwerk, das man auch ganz gut von der Straße aus sieht, waren uns aber zu teuer. Vom Mount Rushmore selbst waren wir im Gegensatz dazu sehr überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass ein paar Köpfe in Stein uns so beeindrucken würden. Wir haben uns noch einen Vortrag über die Entstehungsgeschichte angehört und waren glücklich den Umweg auf uns genommen zu haben. Die Fahrtzeiten zwischen den Rockies, Mt. Rushmore und dem Yellowstone NP sind nämlich nicht zu unterschätzen. Es geht durch die schier endlosen Weiten Wyomings. Falls sich nochmal jemand in Deutschland beschwert, dass in seinem Dorf nichts los ist, der sollte einmal hier her kommen. 😉 Wir vertreiben uns die Zeit im Auto mit den Hörbüchern von Karl May bis Jussi Alder Olsen. Ein Hoch auf Spotify.

Weil wir eh vor Ort waren, sind wir auch gleich noch in den Custer State Park gefahren. Hier hatten wir nur ein Ziel: Bisons sehen! Typisch amerikanisch gab es eine Ringstraße durch den Park, die extra zur Tierbeobachtung dient. Wir waren schon über die Hälfte rum gewesen und hatten uns schon damit abgefunden heute kein Glück zu haben, da lag er plötzlich da. Ein Prachtkerl von Büffel zeigte uns sein kräftiges Hinterteil. Weiter in der Ferne konnten wir auch noch seine Herde sehen. Beim Verlassen des Parks ist sogar noch einer direkt über die Fahrbahn spaziert und hat neben der Straße gemütlich aus einer Pfütze getrunken. Mal wieder eine eindrucksvolle Tierbegegnung.

Wie ich schon erwähnt hab, sind wir anschließend zum Yellowstone NP rüber gefahren. Der älteste Nationalparks Amerikas hat es uns nochmal richtig angetan. Deswegen haben wir auch den Blog danach benannt. Der Großteil des heutigen Yellowstone war früher Stammesgebiet der Shoshonen. Man mag sich kaum vorstellen welche Idylle es gewesen sein muss, dort im Einkang mit der Natur zwischen Bisons, Grizzlys und den heißen Quellen zu leben. Leider war unsere Zeit im Park auf knapp 2 Tage begrenzt. Für diesen großen Park ist das eigentlich zu wenig. Zum Glück haben wir aber eine Nacht auf einem Zeltplatz mitten im Park bekommen. So konnten wir uns die weite Anfahrt von den umliegenden Ortschaften und deren Hotelpreise sparen. Wir hatten zwar kein Zelt, aber die Nacht im Auto hat sich gelohnt. Im Zelt hätten wir eh nicht geschlafen, denn wie es der Zufall so will, hat sich ein Bison mitten zwischen den Zelten niedergelassen. Die Bisons (mittlerweile fast 5.000 von ehemals 23 im ganzen Park) waren sowieso der Hammer. Wo ein Bison gehen und stehen will, dort tut es das auch. Da ist es ganz egal, ob es sich gerade auf oder neben der Straße befindet. Abgesehen von den unzähligen Bisons haben wir noch Hirsche, Rehe, Ziegen, Murmeltiere, Streifenhörnchen, Adler, Pelikane und einen Coyoten gesehen. Leider hat sich uns weder ein Bär, noch ein Wolf gezeigt. Doch nicht nur die Tiere machen den Park zu etwas Besonderem. Auch die Natur ist traumhaft schön. Der Yellowstone River fließt breit durch den Park und fällt kraftvoll über die Klippen des „Grand Canyon“ von Yellowstone. Auf unserer Wanderung zum Mount Washburn hat sich Tina total in die bunten Blumenwiesen verliebt. Nach dem ganzen Grün waren wir vor allem von den Geysiren und heißen Quellen am zweiten Tag sehr beeindruckt. Wir haben uns den Ausbruch des Old Faithful Geysir angeschaut und die „Midway Geysir Basin“ besucht. Die Farben, die es hier zu sehen gibt, kann man gar nicht auf einem Foto einfangen.

Unsere vorerst letzte Station in den USA sollte der Mount Rainer Nationalpark sein. Er war der insgesamt 13. Nationalpark auf unserer Reise durch Amerikas Westen. Der dortige Hauptwanderweg namens Skyline Trail war zwar wegen zu viel Schnee nicht ganz begehbar und auf dem Rest des Wegs entsprechend viel los. Nichtsdestotrotz hat sich der Halt schon allein wegen den wieder einmal blühenden Wiesen vollkommen gelohnt. Mein Blumenkind war in ihrem Element. Ich muss aber zugeben, dass auch ich hier zum Blumenfotograf geworden bin, obwohl ich gerade so eine Rose von einer Tulpe unterscheiden kann. 😀

Tinas Hassobjekt, den Ford Fiesta, sind wir in Seattle schlussendlich losgeworden. Mit dem schaltfaulen Mietwagen ist Tina trotz der vielen Meilen einfach nicht warm geworden. Dementsprechend glücklich war sie in Seattle einfach in den Bus zu steigen und nach Vancouver chaufiert zu werden. Vor 4 Tagen haben wir dort unser neues Gefährt (einen Nissan Sentra) abgeholt und unsere Rundreise durch die Nationalparks Westkanadas gestartet. Der schaltet geschmeidig und Tina fährt jetzt wieder gerne. Etwas über zwei Wochen haben wir Zeit für die großen Parks Banff, Jasper und Yoho bevor wir am 03.08. nach Toronto fliegen.

Der erste Halt am Montag  hatte aber noch nichts mit Nationalparks zutun. Hope hieß das Örtchen und es war mal wieder eine Spinnerei von mir, dass wir dort unbedingt vorbei mussten. Der Ort war vor 35 Jahren Schauplatz der Dreharbeiten zu dem Film Rambo – First Blood. Die markante Brücke über die John Rambo alias Sylvester Stallone zurück in die Stadt läuft gibt es leider nicht mehr und auch das Polizeirevier steht nicht mehr an der alten Kreuzung, aber man kann noch viele andere Szenerien besichtigen. Nicht zuletzt die Othello Tunnel außerhalb von Hope, wo einige der Waldszenen gedreht wurden. Der Kerl im Visitor Centre (mit der Statur von Stallone) hat uns sogar noch eröffnet, dass das Motel in dem wir übernachtet haben, im Film zu sehen war. Ich fand das alles so cool, dass ich mir gleich noch ein Shirt gekauft hab, bevor wir weitergezogen sind.

Seitdem haben wir noch zwei weitere Stopps gemacht. Einen Tag haben wir am Lightning Lake gefaulenzt und gestern waren wir im Revelstoke Nationalpark wandern. Das war auch schon wieder ein spezieller Tag. Wir sind extra eher aufgestanden, weil wir eventuell eine 18-Kilometer-Tour zum Jade Lake gehen wollten. Um kurz vor 7:30 Uhr standen wir zu unserem Erstaunen vor dem geschlossenen Tor des Parks. Der Park ist nachts geschlossen und wird erst um 8 Uhr geöffnet. Als wir endlich rein durften, waren wir dementsprechend die ersten oben am Startpunkt des Trails. Dort empfingen uns mehrere Schilder, die vor Grizzlys warnten und der Weg den wir gehen wollten war wegen Bäraktivitäten gesperrt . Die Rangerin vor Ort hat uns dann aufgeklärt, dass die vergangenen zwei Tage ein Grizzly in dem Gebiet gesichtet wurde. Wir sollten einfach der Straße vom Shuttlebus weiter rechts folgen und genug Lärm machen, dann gäbe es keine Bedenken. Ausgerüstet mit einer Bärenglocke und im Verbund mit einem deutschen Ehepaar aus Bremen haben wir uns also auf den Weg gemacht. Es kamen nach und nach noch mehr Leute und die anfängliche Nervosität war schnell verflogen. Wir haben natürlich keinen Bären gesehen. Vielleicht eine Spur eines Schwarzbären, aber selbst da waren wir uns nicht sicher und auch die Ranger konnten es nicht genau sagen. Dafür hatten wir eine angenehme Unterhaltung mit Pierre und Marion. Die Beiden sind etwas eher umgekehrt als wir, aber vielleicht besuchen wir sie mal im hohen Norden. Eingeladen sind wir auf jeden Fall. Wir haben unsere Wanderung noch bis zum Eva Lake weitergeführt und später noch unser „Gipfelbier“ am Miller Lake getrunken. Dort hat uns eine freundliche Kanadierin ihre Flagge für ein Foto zur Verfügung gestellt. Als wir auf dem Rückweg ein weiteres Ehepaar aus Dresden aufgegabelt hatten, landete plötzlich ein Heli in unserer Nähe. Erst hatten wir uns nichts dabei gedacht. Doch dann kam die Copilotin extra raus und zu uns rüber. Der Park wurde wegen drohender Gewitter mit der Gefahr von Waldbränden gesperrt. Na toll! So schlimm sah der Himmel noch gar nicht aus und wir wollten eigentlich noch mit dem Auto nach dem Grizzly Ausschau halten. Das war nun passé. Wir wurden sogar von den Rangern das letzte Stück zu unserem Auto gefahren, um unverzüglich den Berg zu verlassen. Mehr als ein kleines Gewitter haben wir im Endeffekt nicht abbekommen, aber Vorsicht ist ja bekanntlich besser als Nachsicht.

Heute fahren wir weiter nach Golden in die Nähe des Banff NP. Dort werden wir fast eine Woche verbringen und den Park gründlich erkunden. Drückt uns die Daumen, dass das Wetter schön mitspielt und wir vielleicht auch ein oder zwei Bären (aus sicherer Entfernung) zu sehen bekommen.

 

Wir wünschen euch allen ein schönes Wochenende,

Eure Weltenbummler

 

 

 

„Jeden Tag in einer andern Stadt…

„Jeden Tag in einer andern Stadt…

… jeden Tag was Neues sehn und auf der Bühne stehn.“ So heißt es in einem Lied der Band Truckstop (meine erste Lieblingsband). Als meine Familie zu Besuch war und wir alle zusammen im Camper durch den wilden Westen der USA fuhren, war Truckstop unser ständiger Begleiter. Das Lied passte einfach zu unserem straffen Plan, der uns täglich woanders hin verschlug. Dass wir Cowboys und Cowgirls es sogar auf eine Bühne schaffen würden, hatten wir aber natürlich nicht gedacht.

Allein über die 3 Wochen könnte ich womöglich ein Buch schreiben. Um euch nicht mit unendlich vielen Insidern zu quälen und wieder auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen, versuche ich mich diesmal eher kurz zu halten. Angefangen hat unsere gemeinsame Familienzeit ja bekanntlich in San Francisco. Die Stadt riss uns alle nicht wirklich vom Hocker. Zu kalt, zu neblig, zu windig, zu dreckig, zu viele Obdachlose beschreibt sie in meinen Augen ausreichend. Ein Highlight hatte die Stadt jedoch zu bieten, die Golden Gate Bridge. Wir sind mit dem Fahrrad über die Brücke bis nach Sausalito gefahren. Das kann ich jedem nur empfehlen und auch die Fährfahrt zurück, vorbei an Alcatraz, würde ich wieder machen. Von SF aus ging es mit dem Camper weiter. Im Napa Valley haben wir uns auf dem Weingut … eine Weinprobe mit mehrfach ausgezeichneten Weinen gegönnt und gleich ein bisschen Proviant für die nächsten Tage mitgenommen. 🙂 Am Lake Tahoe machten wir unseren nächsten Stopp. Dort hat uns die Wanderung von den Eagle Falls zum Eagle Lake gut gefallen und die Hundis haben den Auslauf auch genossen. Noch mehr gewandert sind wir anschließend im Yosemite Nationalpark. 2 Tageswanderungen haben wir dort unternommen. Die erste um den Mirror Lake, wobei wir ein ganzes Stück durch eiskaltes Wasser waten mussten. Das Wasser war zwar nur knöchelhoch, aber so kalt, dass wir alle 10 Meter Schutz auf einem Stein oder Baumstamm suchen mussten. Das war schon eine besondere Erfahrung und hat uns trotz Schmerzen Spaß gemacht. Am zweiten Tag stand eine Wasserfalltour auf dem Programm. Bevor es jedoch losgehen konnte, mussten wir uns erst noch mit Regencapes versorgen und so ging ein Teil der Gruppe ins Visitor Centre um diese zu kaufen. Ich wartete draußen, checkte Emails und als ich mich umdrehte stand plötzlich ein bekanntes Gesicht vor mir. Haring (ein Studienfreund von Tina und mir) und seine Eltern waren ebenfalls auf ner Tour durch die USA und er war mindestens genauso überrascht wie ich. Wie klein die Welt doch ist! Wie viele Faktoren bei diesem ungewöhnlichen Wiedersehen zusammen gekommen sind, ist mir immer noch unbegreiflich. Die Freude war auf jeden Fall groß und der Tag wurde mit der Wanderung zu den Wasserfällen bzw. durch diese hindurch zu einem meiner Highlights der Reise. Auf unserem Weg nach LA besuchten wir noch den Kings Canyon NP mit dem „General Grant Tree“, dem drittgrößten Baum der Welt (gemessen am Volumen). In LA selbst verbrachten wir 3 Tage. Gleich am ersten Tag besuchten wir die Universal Studios Hollywood. Wer schon einmal da war, dem erzähle ich nichts Neues, wenn ich sage, dass der Park nichts für Achterbahn-Junkies ist. Die Fahrgeschäfte sind eher auf visuelle Effekte ausgelegt und auch für den nicht so starken Magen geeignet. Das fand ich zwar ein bisschen schade, aber ich war im Endeffekt nicht enttäuscht, denn das Drumherum ist einfach super gewesen. Tina und ich freuten uns wie die Kleinkinder über das neu eröffnete Hogwarts-Schloss (Omi das ist das Schloss von Harry Potter). Das Allerbeste geschah jedoch ganz zum Schluss. Wir wollten eine Show über Spezialeffekte anschauen und waren schon einige Zeit vor Einlass dort. Da kam ein Moderator der Show auf unsere Gruppe zu und nach sehr kurzem Smalltalk waren wir auf dem Weg hinter die Bühne. Das ging alles so schnell, dass nicht viel Zeit blieb um uns abzusprechen. Ich habe einfach sofort ja gesagt als er fragte, ob wir bei der Show mitmachen wollen. So kam es also, dass wir tatsächlich (getreu dem Lied von Truckstop) in LA auf der Bühne standen. Meine Familie musste eine Filmszene nachsynchronisieren. Und zwar mit Alltagsgegenständen und nach nur einer sehr kurzen Einweisung. Sie haben das super hinbekommen und sich ihren verdienten Applaus abgeholt.

Tina und ich waren das Finale der Show. Sie durfte mich als Astronaut durch das Studio fliegen lassen, aber seht selbst…

Genau das war gar nicht ich ^^

Ich wurde einfach ausgetauscht und saß die ganze Zeit gemütlich hinter der Bühne. Ich, der so einfach ja gesagt hat, hatte also den leichtesten Job. Im Nachhinein waren aber alle glücklich, dass wir es gemacht haben. Das kann uns keiner mehr nehmen.

Einen Tag mussten wir natürlich auch Shoppen gehen. Tina und ich kauften glaube ich mehr als der Rest der Familie. Wir kleideten uns komplett neu ein, nur um die Sachen dann meinen Eltern mit nach Hause zu schicken. Hoffentlich passen wir in 3 Monaten noch in die neuen Jeans. ^^

Eine 8-stündige deutschsprachige Stadtrundfahrt und ein halber Tag am Venice Beach, wo Tina und ich Tandem fuhren und ich die Muskeln am Muscle Beach spielen ließ, rundeten die Tage in LA ab. Im Vergleich zu SF hat die Stadt nicht nur aufgrund des wärmeren Wetters einen viel besseren Eindruck auf uns hinterlassen. Endstation unserer Campingreise war Las Vegas. Da wir meine Familie aber nicht nach Deutschland zurückschicken konnten ohne den Grand Canyon gesehen zu haben, fuhren wir fast 2 Tage durch. Einen kurzen Zwischenstopp haben wir uns nur im Joshua Tree NP gegönnt. Wir wären gerne über Nacht dort geblieben, aber die Zeit reichte leider nicht aus. Der Grand Canyon war die Mühe auf jeden Fall wert. Das muss man mal gesehen haben.

In Las Vegas selbst konnten wir uns auch keine Pause gönnen. Die Stadt der Superlative hat einfach zu viel zu bieten. Wir flogen nachts mit dem Helikopter über den Strip, machten wieder eine deutschsprachige Stadtrundfahrt, schauten uns fast alle großen Hotels an, gingen abends durch die Fremont Street Experience, spielten am einarmigen Banditen und besuchten zum Abschluss eine Cirque de Soleil Show. Nach 3 Tagen Las Vegas und 3 Wochen USA vollgepackt mit unendlich vielen neuen Eindrücken verließen uns die Jakobs wieder in Richtung Deutschland. Tina und ich waren mit Las Vegas aber noch nicht durch. Wir hatten eh noch keinen Plan für die nächsten Wochen und da kam uns das Angebot vom Mandalay Bay gerade recht. Im 5-Sterne-Resort, das an das Motto Karibik angelehnt ist, wollten wir einfach 2 Tage abspannen und Pläne schmieden. Das Planen hat auch ganz gut funktioniert. Nur mit der Entspannung hat es nicht so richtig geklappt. Der Poolbereich (eigentlich Highlight des Hotels) war eine einzige Enttäuschung. Keine Liegen im Schatten, Sonnenschirme nur gegen Bezahlung, Massen an Leuten und dann sperren die auch noch die Hälfte des größten Beckens wegen den künstlichen Wellen. Naja dann haben wir uns halt lieber doch noch eine Show (The Mentalist) angeschaut und sind in die Titanic-Ausstellung im Luxor-Hotel gegangen. Weil uns der Sinn nach deutschem Essen stand sind wir kurzer Hand ins Hofbräuhaus von Las Vegas. Tina war so glücklich über ihren Wurstsalat mit Brezn und für mich war das Weißbier eine Geschmacksexplosion. Leider vermissen wir jetzt die schönen Münchener Biergärten um so mehr. Zum Abschluss waren wir noch auf der Achterbahn im New York New York. Die war mal wirklich gut mit Looping, Bauchkribbeln ohne Ende und Tinas Schreianfall. 😉

Seitdem sind wir nun wieder auf den Straßen unterwegs. Wir haben den Camper gegen ein etwas kleineren Ford Fiesta eingetauscht und sind erstmal Richtung Nationalparks gedüst. Im Zion NP haben wir 2 Tage verbracht. Dort haben wir uns Wasserwanderschuhe ausgeliehen und sind durch den Virgin River in einer engen Felsenschlucht, den sog. „Narrows,“ gewandert. Das war schön, aber noch viel besser war der Bryce Canyon NP. Dort sind wir extra um 4 Uhr früh aufgestanden und wurden mit einem tollen Sonnenaufgang belohnt. Danach sind wir noch durch den Canyon gewandert und an den abfallenden Klippen oben wieder zurück zum Auto. Bei der knapp 7-stündigen Wanderung haben wir den Canyon aus so viel verschieden Perspektiven gesehen und waren immer wieder neu begeistert. Was für ein Naturspektakel. Normal hätten wir es dann gut sein lassen und wären zurück ins Motel gefahren. Zum Glück haben wir jedoch von dem an diesem Wochenende stattfindenden Astronomiefestival erfahren. Also hieß es doch noch bis 22 Uhr im Nationalpark bleiben und sich die Sterne mal genauer anschauen. Wir wurden mit dem Bus extra in einen Teil des NP gefahren, der von umliegenden Lichtquellen nicht beleuchtet wird. Dort waren 14 Hobbyastronomen mit ihren Teleskopen und zeigten uns Jupiter, Saturn, einen vor tausenden Jahren explodierten Stern und noch vieles mehr. Leider wurde unsere Sicht auf die Milchstraße etwas getrübt, weil der Rauch eines großen Flächenbrandes in der Nähe sich bis hier her ausbreitete.

Allgemein herrscht momentan eine Mörderhitze im mittleren Westen der USA. Die Temperaturen stellen neue Rekorde auf und es ist schon sehr anstrengend bei über 40 Grad im Schatten zu wandern. Nichts desto trotz ging es für uns weiter durch die Wüste nach Page. Die Stadt an sich hat keinen großen Unterhaltungswert. Außen herum gibt es dafür einiges zu sehen. Wir waren am Horseshoe Bend, wo der Colorado River einen Bogen wie ein Hufeisen macht, haben den unteren Antelope Canyon besucht und sind im Lake Powell baden gegangen. Anschließend sind wir ins Monument Valley gefahren und haben dort eine Nacht auf einem Zeltplatz im Auto geschlafen. Der ungestörte Blick auf die roten Felsformationen hat uns super gefallen. Vor allem zu Sonnenaufgang und -untergang können wir diesen Ort nur empfehlen.

Die letzten 3 Tage waren wir dann in den beiden Teilen des Canyonlands NP und im Arches Nationalpark unterwegs. Leider hat uns der ständige Wechsel von Heiß und Kalt (wegen der Klimaanlagen) eine fiese Erkältung angehängt. Wir haben deswegen nur kleinere Wanderungen gemacht und konnten diese nicht ganz so auskosten wie gewünscht. Das ist zwar Jammern auf hohem Niveau, trotzdem schade. Jetzt sind wir einfach mal 2 Tage hier in Grand Junction in der Mitte von Nirgendwo, um uns auszukurieren und mit neuen Kräften in die Rocky Mountains zu starten. Um ehrlich zu sein, freuen wir uns jetzt auch drauf das rote Gestein der Wüste hinter uns zu lassen und wieder richtige Gebirge zu bewandern.

So jetzt seid ihr wieder up to date. Weil es einige von euch zu interessieren scheint, will ich euch auch gleich mal einen Ausblick auf die nächsten Wochen und Monate geben. Zunächst werden wir in Denver den 4. Juli (Independence Day) mit den Amis feiern. Mal sehen ob die mit unserem Tag der Deutschen Einheit mithalten können. ^^ Dann stehen noch die Ziele Rocky Mountains NP, Mount Rushmore und Yellowstone NP an bis wir am 16.07. wieder nach Vancouver rüber machen. Da haben wir bis 03.08. Zeit die Nationalparks Banff und Jasper in den kanadischen Rockies abzuwandern. Nach dieser ganzen Natur lassen wir anschließend mehrere Städtetrips folgen. Toronto, Montreal, New York und Washington DC werden wir für je 4 bis 7 Tage bereisen und uns zum Abschluss noch 4 Wochen in Kolumbien von diesem ganzen Stress erholen. Jetzt wisst ihr Bescheid und ich bin am Ende meiner Worte.

 

Macht es gut und bis bald

Eure Weltenbummler

 

Jumping Jack

Jumping Jack

Hallo zusammen,

über einen ganzen Monat lang habt ihr jetzt nichts von uns gehört. Ich kann euch auch sagen woran das lag. Die Jakobs waren die letzten 3 Wochen bei uns und haben uns ständig auf Trab gehalten. Es war schon von Anfang an geplant, dass uns meine Familie (inklusive 2 Hunde) von San Francisco bis Las Vegas begleitet. Gestern hat meine Familie die USA wieder verlassen und wir haben uns entschieden noch 2 Tage in Las Vegas dranzuhängen bevor die Reise weitergeht. Über die gemeinsamen 3 Wochen werde ich euch aber erst die nächsten Tage berichten, sonst sitz ich hier nur am PC. Jetzt erzähl ich erstmal was wir vorher noch erlebt haben. Also in den 10 Tagen von meinem Geburtstag bis zum Familientreffen in San Francisco am 27.05.

Tja und anfangen muss ich mit unserem ersten Reisetief. Ich hätte nie gedacht, dass es sowas überhaupt gibt. Wir erleben fast täglich unglaublich schöne Dinge und können meist unser Glück kaum fassen, aber auf Vancouver Island bekamen wir einfach kein Gefühl mehr für das, was sich unseren Augen bot. Versteht mich bitte nicht falsch. Vancouver Island war in der Nachbetrachtung schön, aber während wir dort waren, stellte sich nicht ständig dieses Glücksgefühl unserer vorherigen Stationen ein. Das hat uns sehr irritiert und auch wenn wir uns gegenseitig immer wieder einredeten wie toll wir es haben, so brauchte es doch einige tierische Begegnungen, um unsere Akkus wieder aufzuladen. Aber der Reihe nach…

Mein Geburtstag war unser erster voller Tag in Victoria (Vancouver Island). Tina weckte mich mit einem liebevoll selbergekauftem Törtchen inklusive nicht angezündeter Kerzen. Der Gedanke zählt. ^^ Auch die Sonne spielte mit und so freuten wir uns sehr auf die geplante Tour aufs Meer. Es galt Wale zu beobachten. Dick eingepackt in wärmende Ganzkörperschwimmwesten verbrachten wir 4 Stunden auf dem Meer und hatten das Glück einen Buckelwal zu schmecken. Ja richtig gelesen, zu schmecken! Der Riese machte sich einen Spaß drauß alle umliegenden Boote zu inspizieren. Als er direkt neben unserem auftauchte, brachte ich meinen Mund nach dem ausgestoßenem „Wow“ nicht mehr rechtzeitig zu und so landete sein Atem-Schleim-Wasser-Gemisch direkt auf meiner Zunge. Auch Tina nahm eine kräftige Nase voll und wir können euch sagen, dass ein Wal nicht nach Rosen duftet. Trotzdem war es unbeschreiblich diesem eleganten Geschöpf so nahe zu kommen. Wir sahen auch noch eine Robbenkolonie und einen Seeotter gemütlich im Wasser treiben bevor es wieder zurück zum Hafen ging. Gestärkt nach einem leckeren indischen Buffet besuchten wir das Regierungsgebäude von British Columbia und waren die einzigen Zuschauer einer Aufführung zur Geschichte des Hauses. Danach ließen wir den Tag beim Basketballschauen in einer Sportsbar ausklingen. Es war ein toller Geburtstag, aber wir waren platt. Der Jetlag steckte uns tief in den Knochen und auch das Wetter (2 Tage Regen in Vancouver und max. 15 Grad auf Vancouver Island) machte uns zu schaffen. Wir sind es nicht mehr gewohnt müde zu sein und zu frieren. All das führte zu dem oben beschriebenen Gefühl der inneren Leere. Komischer Weise traf es uns beide zur gleichen Zeit und so waren wir uns weiterhin einig. ^^

Von Victoria sollte es mal wieder mit dem Mietwagen weitergehen. Ziel war Ucluelet, wo wir zwei Nächte übernachten und danach wieder nach Victoria zurück wollten. Der dortige Pacific Rim Nationalpark und das nahegelegene Tofino sind beliebte Urlaubsziele der Kanadier und vieler Kanadareisenden. Tofino haben wir nur zum Abendessen unter grauem Himmel gesehen und das „Wandern“ war dank des Wetters auch nicht von der Kategorie Neuseelands. Auch haben wir keine Bären, Wölfe oder Pumas gesichtet, die hier tatsächlich vorkommen. Andere Besucher unseres Hostels haben nämlich sowohl Wölfe als auch Bären gesehen. Wir haben dafür nach unserer Küstenwanderung im Hafen von Ucluelet Seelöwen beim Plantschen beobachten können. Die dicken Brummer tummelten sich nur so um die zurückkommende Fischerboote. Wir wollten ihnen unbedingt auf Augenhöhe begegnen und buchten kurzerhand eine Kajaktour für den Abend. Wir waren die einzigen für die Tour und so paddelten wir gemütlich mit Eric, unserem Kanadisch-Französischen-Guide, durch das Hafenbecken. Wir sahen viele Weißkopfseeadler, ein Otterpäärchen und die eben erwähnten Seelöwen. Einer versetzte uns einen gewaltigen Schreck als er fernab der Gruppe hinter unserem Kajak auftauchte und uns angrunzte. Die nun untergehende Sonne tauchte den Himmel in die tollsten Farben und wir machten unseren Frieden mit Vancouver Island.

Der absolute Durchbruch im Überwinden des Reisetiefs sollte aber am nächsten Tag kommen. Die Sonne schien und es wurde endlich warm. Zusätzlich hatten wir nochmal eine Waltour gebucht. Diesmal aber von Cowichan Bay aus. Dort ist die Chance Orcas zu sehen nahe 100 %, weil es sowohl ansässige Orcas als auch Transit-Orcas zu finden gibt. Tja und weil wir diese Insel nicht verlassen wollten ohne Orcas gesehen zu haben, nahmen wir das Geld nochmal in die Hand. Es war die beste Endscheidung seit Langem!!! Wir haben 2 Orca-Familien den ganzen Tag über begleitet. Unser Bootsführer wahrte immer den nötigen Abstand, um die Tiere nicht zu stören. Es sollte trotzdem so kommen, dass sie plötzlich neben unserem Boot auftauchten und eine Robbe erlegten. Wir waren zwei Orcas gefolgt, die plötzlich kehrt machten und im vollen Speed an uns vorbei Richtung Ufer schwammen. Dort hatte das große Orca-Männchen „Jack“ wohl was entdeckt. Als wir die Richtung änderten und den Motor abstellten, ging alles ganz schnell. Die vier Orcas der Familie machten kurzen Prozess unter Wasser und Jack feierte den Fang mit einem kerzengeraden Luftsprung direkt neben uns. Trotz der Trauer um die Robbe, überwogen die Glückgefühle, den schlauen Jägern der Meere so nahe gekommen zu sein.

Seit diesem Tag ist unsere Gefühlswelt wieder in Ordnung. Natürlich auch, weil das Wetter wieder besser ist und wir nicht mehr in einem 12-Betten-Schlafsaal mit lauter komischen, schnarchenden und unsauberen Leuten übernachten mussten. Das war nämlich in Ucluelet so und hat definitiv seinen Teil zu unserem Tief beigetragen. Anschließend hatten wir wieder Energie und Unternehmungslust und so machte uns unser nächster Fauxpas auch nur halb so viel aus. Um das Ganze zu erklären muss ich etwas ausholen. Um von Vancouver Island nach San Francisco zu kommen, hatten wir zwei nur 5 Tage Zeit. Wir haben nicht gewusst, dass uns eine Fähre direkt von Victoria nach Port Angeles (USA) hätte bringen können. Deswegen hatten wir eine Fähre zurück nach Vancouver, von dort einen Zug nach Seattle und anschließend wieder einen Mietwagen gebucht. Der Zug von Vancouver nach Seattle sollte um 5:35 Uhr fahren. Was für uns schwierig geworden wäre, wurde unmöglich als wir um 7 Uhr aufwachten und bemerkten, dass der Wecker nicht geklingelt hat. Zum Glück hatten wir unsere gute Laune wieder und fuhren erstmal entspannt mit dem Taxi zum Bahnhof. Der freundliche Herr am Schalter wollte unsere Tickets für den verpassten Zug sehen. Eventuell könne er die noch umbuchen. Völlig verwundert eröffnete er uns dann, dass wir Tickets für den Zug um 17:35 Uhr hätten und es keinen Zug um 5:35 Uhr gibt. Da mussten wir alle drei lachen. Mit diesem „a.m.“ und „p.m.“ kann man (Tina hat gebucht ;-)) schon mal durcheinanderkommen. ^^ Im Prinzip war das Verschlafen somit unser Glück. Wir konnten nun nämlich ausgeruht die Fahrkarten auf einen Bus um 9 Uhr umbuchen. Die Busfahrt war super entspannt und auch die Einreise in die USA kein Problem.

In Seattle angekommen waren wir jedoch wieder geschockt. Auf unserem Weg zur Mietwagenstation sahen wir nochmal mehr Obdachlose und gescheiterte Existenzen als schon in Vancouver. Es tut einfach weh durch so ein Land zu reisen und zu sehen, wie viele Menschen hier menschenunwürdig (über)leben müssen. Die Amerikaner selber scheinen da schon sehr abgestumpft zu sein, denn anders kann ich es mir nicht erklären, wie man täglich vorbei an so viel Elend auf seine Arbeit oder zum Einkaufen gehen kann. Auch der ständig und überall präsente Drogenkonsum lässt mich mein Leben in Deutschland mehr schätzen. Denn erst wenn man mal einige andere Länder bereist hat, wird einem bewusst in welcher Wohlfühlblase wir in Europa eigentlich leben. Tina und mir geht es zumindest so.

Kommen wir aber nun wieder zu den schönen Dingen. Denn auch davon gibt es hier mehr als genug. Wir sind wie gesagt von Seattle aus mit dem Mietwagen gestartet. Auf dem Weg nach SF haben wir noch ein paar Punkte abgeklappert, die in der kurzen Zeit möglich waren. Übernachtet haben wir jeweils ins Motels, die wir immer erst kurz vorher rausgesucht haben. Je nachdem wie weit wir eben gekommen sind. Der erste Stopp war Port Angeles (da wo wir auch mit der Fähre 2 Tage vorher hingekommen wären ;-). Von dort haben wir den Olympic Nationalpark besucht. Der noch immer nicht ganz geschmolzene Schnee verkürzte zwar unsere geplante Wanderung. Aber dafür war der Ausblick mit den schneebedeckten Gipfel und der klaren Sicht bis Vancouver Island traumhaft schön. Nächster Halt war das Örtchen Forks. Das kleine Nest diente als Vorlage für die bekannte Twilight-Reihe. Es ist der Ort mit der höchsten Niederschlagszahl in den ganzen Staaten und nur deshalb von der Autorin als Schauplatz ihrer Erzählung auserkoren worden. Stilecht hatten auch wir leichten Regen als wir ein paar Plätze in dem Dorf abklapperten. Ein ganz netter Zeitvertreib. Da wir keine Fans sind, aber auch nicht mehr. Mehr begeistert hat mich da schon die Hammond Marina. Sagt euch nichts? Auch nicht schlimm. Dort ist Free Willy in die Freiheit gesprungen. Zumindest wurde es dort gedreht. Tina macht zum Glück all meine Spinnereien mit. Also blieb es ihr auch nicht erspart über die ewig langen Wellenbrecher zu klettern, um die Szene nachzudrehen. Ich finde es ist uns gelungen…

Weiter ging`s den Highway 101 hinunter Richtung Süden. Dabei ist der Weg das Ziel gewesen. Der Highhway führt entlang der Pazifikküste und die Ausblicke sind teilweise schöner als die der Great Ocean Road in Australien. Wir hielten oft an und staunten über die tollen Steilküsten. Kürzere Zwischenstopps waren der Cannon Beach, die Oregon Dunes (riesige Sanddünen) und ein Strand an dem Tina ihren Drachen steigen lassen konnte. Ja wir haben einen Hello-Kitty-Drachen im Walmart gekauft. Tina lag mir bestimmt 2 Tage lang in den Ohren, aber dann hatte sie um so mehr Spaß dabei ihren 1,38 Dollar teuren Drachen in den teilweise sehr starken Wind zu halten. Einen ganzen Tag verbrachten wir noch im Redwood Nationalpark. Dort stehen die höchsten Bäume der Welt. Mit über 100 Metern ragen die Küsten-Sequoias in die Höhe. Da fühlt man sich als Mensch schon ziemlich mickrig daneben. Und wenn man dann noch darüber nachdenkt wie alt die Bäume sind und was die alles schon erlebt haben, da kommt einem das eigenen Leben wie ein Wimpernschlag vor. Das war sehr beeindruckend. Ebenfalls im Redwood NP kann man viele Roosevelt Hirsche sehen. Die liegen gemütlich auf den großen Wiesen rum und stören sich nicht wirklich an den Leuten und Autos um sie herum.

Ein letzter Stopp vor San Francisco musste aus musikalischer Sicht sein. Ich wollte unbedingt nach „Mendocino“. Natürlich auf Grund meiner Liebe zu deutschen Schlagern und vielen tollen Erinnerungen mit diesem Lied (Herrsching lässt grüßen). Tina machte das wie immer bereitwillig mit und ließ mir den Spaß, sie auf dem Weg nach Mendocino mit meinem Gesang zu quälen. Tatsächlich war Mendocino sehr gut besucht und wir wunderten uns über die vielen Touristen. Die können doch nicht alle wegen dem Lied da sein, dachten wir. Waren sie auch nicht. Mendocino ist an sich ein nettes kleines Örtchen mit einer schönen Steilküste. An der Küste fanden wir die idealen Bedingungen für Tinas Leidenschaft. Ihr Drachen stand so hoch in der Luft, dass sie die Schnur komplett auswickeln konnte. So sind wir letztendlich beide auf unsere Kosten gekommen.

Glücklich und zufrieden fuhren wir weiter nach San Francisco, wo wir am Union Square in unserem Hotel eincheckten und auf die Familie gewartet haben. Die Wiedersehensfreude war groß und nach 3 Tagen SF ging es über die Stationen Napa Valley, Lake Tahoe, Yosemite NP, Kings Canyon, Los Angeles, Joshua Tree NP, Grand Canyon nach Las Vegas. Ausführlicheres dazu, wie gesagt in Kürze. Jetzt probieren wir mal unser Glück in der Stadt der Sünde.

 

Bis die Tage,

Eure Weltenbummler

Konnichi wa aus Tokio!

Konnichi wa aus Tokio!

Konnichi wa ihr Leser,

zwar sind wir beiden samt Jetlag schon in Vancouver angekommen, aber wir wollen euch natürlich noch von unserm Aufenthalt in Tokio berichten.

Starten wir gleich mal mit einer Frage. Wann bemerkt man, dass man nach Japan reist!? Genau, wenn jeder im Flugzeug plötzlich seine eigenen Pantoffeln auspackt. Es sollte nicht der einzige Moment bleiben in dem wir beiden uns verwundert anschauten.

Aller Anfang ist ja bekanntlich schwer. Vor allem wenn man beim Ticketkauf für die U-Bahn nur japanische Schriftzeichen vor sich hat! Zum Glück half da ein netter Mitarbeiter am Schalter gerne aus. Unten vor der Bahn waren wir wieder verwirrt. Wo waren denn die ganzen Japaner? Nichts zu sehen von Menschenmassen vor und in den Zügen. Je näher wir der Stadt kamen, umso voller wurde es. Um ehrlich zu sein, war aber nicht mehr los als in München auch. Angekommen im Stadtgebiet Asakusa schlenderten wir zu unserem neuen „Zuhause“. Das Khaosan Origami Tokyo ist eines der besten Hostels unserer bisherigen Reise und nur zu empfehlen für einen Besuch in Tokio. Tina war völlig begeistert von der Sauberkeit und tauschte gerne ihre Schuhe gegen die hauseigenen Pantoffel. Die Lage ist ebenfalls super. Es liegt direkt gegenüber vom sog. „Sensō-ji Tempel“. Jeden Tag genossen wir unseren Weg an der Tempelanlage vorbei zur Metro. Mittags und Nachmittags war es sehr voll. Die Leute, teilweise in farbenfrohen Kimonos, wuselten nur so durcheinander, zogen ihre Glückszahlen, ließen sich einreuchern oder waren schwer mit Selfies inklusive typischem Peacezeichen beschäftigt. Wir hatten unsern Spaß dabei diesem Treiben einfach nur zuzusehen. Früh Morgens und später am Abend, wenn die Massen verschwunden waren, entstand eine ganz andere Stimmung. Die Ruhe, die Lichter und das Rot des Tempels hinterließen einen sehr friedvollen Eindruck.

Nachdem wir am Ankunftstag nicht viel auf die Reihe gebracht haben, außer Sushi zu essen, freuten wir uns am Mittwoch mehr von Tokio entdecken zu dürfen. Leider spielte das Wetter nicht ganz mit, aber mit unserem durchsichtigen Regenschirm waren wir bestens gewappnet. Wir liefen vorbei am größten Fernsehturm Japans, wobei die Spitze für uns nicht zu sehen war 🙂 Entlang des Flusses durchstreiften wir den Simuda Park (bekannt für die Kirschblüte). Ohne Kirschblüte und mit Regenwetter gibt es schönere Orte in Tokio zu besichtigen. Zum Beispiel den Hamarikju Park. Wir nahmen uns ein Wassertaxi um in einem traditionellen Teehaus im Inneren des Parks eine Tasse Matcha Tee zu genießen. Der Tee war gut und auch das Am-Boden-Sitzen habe ich irgendwie hinbekommen, aber die Süßspeisen die dazu gereicht wurden, musste ich liegen lassen. Die Japaner mögen es sehr sehr süß. Der Park an sich war auch toll anzuschauen und beherbergt sogar eine über 300 Jahre alte Pinie. Unser Highlight war jedoch im Wasser zu finden. Durch den Park werden Kanäle mit Meerwasser geleitet und so sahen wir auf einer der vielen Brückchen tatsächlich Schildkröten und sogar einen Rochen mitten in der Stadt. Bevor der stärker werdende Regen uns wieder ins Hostel trieb, schlenderten wir auf unserem Rückweg noch etwas durch das Ginza-Viertel.

Für Donnerstag hatten wir eine Stadtrundfahrt mit dem Rad gebucht. Zum Glück hielt sich das Wetter an die Vorhersage und schenkte uns einen Sonnentag. Mit unserem Guide Aki und unserem einzigen Mitfahrer Alfonso (aus Malaga) fuhren wir kreuz und quer durch den westlichen Teil der Innenstadt. Wir machten mehrere Stopps, allen voran an den Hauptattraktionen Meiji Jingu Schrein und dem Königspalast. Insgesamt radelten wir knapp 24 km ab und hatten jede Menge Spaß dabei. Von Aki bekamen wir im Anschluss noch ein paar Tipps für die nächsten Tage. Unter anderem sollten wir doch einmal ein Maid-Café im Elektronikviertel Akihabara besuchen. Es sollte garantiert nichts Sexuelles dahinter stecken und einfach zum Touristenprogramm gehören. Was wir dann aber am selben Abend mit eigenen Augen in Akihabara sahen, war uns nicht wirklich geheuer. Unzählige Mädchen stehen entlang der Hauptstraße und versuchen die Passanten vor ihrem Café zu überzeugen. Ihre Outfits reichen vom kleinen Schulmädchen bis hin zur Offizierin der russischen Armee. Dabei sind mache so leicht bekleidet, dass es schwer fällt keinen sexuellen Hintergrund zu vermuten. Die ganze Szenerie war sehr bizarr und so entschieden wir uns erstmal wo anders zu essen. Wir lasen nochmals einen Bericht im Internet in dem es ebenfalls als ganz normal dargestellt wurde. Also gut. Wir entschieden uns für eines der MaiDream Cafés (immerhin die größte Maid-Café-Kette) und fuhren mit dem Aufzug in den 3. Stock eines der Hochhäuser. Oben angekommen waren wir nur noch geschockt. Wir wurden sofort an einen der 5 alten Tische gesetzt und bekamen Kätzchenohren in rosa auf den Kopf gesetzt. An den anderen Tischen saßen jeweils ein einziger „Mann“. Diese Typen waren so ekelhaft und dieses ganze „Café“ so schmuddelig, dass wir noch bevor wir was bestellten, beschlossen den Laden wieder zu verlassen. Das hatten die Kellnerinnen wohl so noch nicht erlebt und schauten völlig verwundert als wir ihnen die Ohren in die Hand drückten und wieder im Aufzug verschwanden. Zurück auf der Straße entdeckten wir sogar ein Play-Station-Spiel, dessen Ziel es ist, eine animierte Frau im Bikini an allen möglichen Stellen anzufassen. Die Einstellung der Japaner zur Sexualität liegt der unseren in etwa so fern wie ihr Geschmack für Süßspeisen.

Um die Bilder des Vorabends schnell wieder zu verdrängen, besonnen wir uns lieber wieder auf traditionellere Dinge der Japaner. Der Ueno-Park war somit das Ziel für den Freitag und schon auf dem Weg dahin ergatterten wir das nächste Kunststück für unsere Weltkarten-Wand. Für die, die es nicht wissen, wir sammeln in jedem Land ein Bild oder ähnliches für unsere Wand Zuhause. Ein älterer Herr zeichnete unsere Namen in Kanji-Schrift auf ein weißes Papier und fügte noch das Wort „Liebe“ in der Mitte hinzu. Mit dem guten Stück im Gepäck spazierten wir dann durch den großen Ueno Park, gönnten uns ein Eis zwischen den vielen Kindergartenkindern und fuhren schließlich noch Tretboot. Aber nicht irgendein Tretboot. Nein es musste schon ein rosa Schwan sein für meine Prinzessin. 🙂

Anschließend gaben wir Akihabara noch eine zweite Chance bei Tageslicht. Es waren zwar wieder viele „Maids“ auf der Straße, aber unser Ziel war diesmal die „Super Potato“. Das ist ein Laden über 5 Stockwerke voll mit Retrospielen. Es gab von Pacman bis Supermario alles und noch vieles mehr. Tina versuchte sich sogar an einem der Automaten und ich suchte nach Spieleklassikern für meinen Super Nintendo. Weil Tina aber nicht so ein Spielekind ist wie ich, mussten wir als Ausgleich natürlich noch in ein Modeshoppingviertel. Shibuya heißt eines der vielen Einkaufsviertel und nach einer Reihe an Marken, die  nicht in unserer Preisklasse liegen, konnte ich Tina dort in einem Kaufhaus nur für Frauen abgeben. Ich hatte nun 2 Stunden Zeit mir das Treiben an der berühmten Shibuya Kreuzung anzusehen. Das Besondere an dieser Kreuzung ist, dass es einen Zebrastreifen quer darüber gibt und mit jeder Ampelschaltung sich Massen an Menschen von einer Seite auf die andere durchschlagen. Gerade zu Stoßzeiten ist das ein echtes Schauspiel. Ich gönnte mir einen Caramel Latte im Starbucks und schaute mir die Sache eine ganze Zeit aus dem zweiten Stock des Cafés an. Von da oben sah es gleich noch viel cooler aus und auf einmal fuhr auch eine Gruppe von Kartfahrern vorbei, die sich im Stil von Mariokart verkleidet hatten. Das muss man mal gesehen haben. Tina kam nach erfolgreichem Shopping auch dazu und so konnte sie mal wieder ein Handstandfoto von mir machen. =)

Tinas Shoppingrausch (Zitat: „Hier gibt es so viele tolle Klamotten!“) war noch nicht vorbei, deshalb trennten sich unsere Wege am regnerischen Samstag. Sie zog es wieder nach Shibuya und ich machte mich auf zu einem Aktivmuseum über die Trickfilmserien meiner Kindheit. In der J-World Tokyo suchte ich erfolgreich nach den Dragonballs und flog sogar auf Son Gokus Wolke, ehe ich mit ihm persönlich ein Kamehameha abfeuerte. Man sollte sich das Kind im Inneren ja immer bewahren. 😀

Wiedervereint schlenderten wir noch durch die Takeshida Street. Eine Einkaufsstraße für Animefans. Wirklich sehenswert war dort aber nur des Banner über dem Eingang auf dem man sich selbst wiederfinden konnte.

Zum krönenden Abschluss unseres viel zu kurzen Japanbesuchs genossen wir am Sonntag ein tolles Mittagessen in einem traditionellen japanischen Restaurant früherer Tage. Auch wenn wir nicht immer genau wussten was wir da essen, schmeckte uns fast alles. Nebenbei bekamen wir noch eine kleine Shamisen-aufführung dargeboten. Das ist eine Art Gitarre, mit der Tina und ich sogar noch posieren durften.

Leider war auch dieses tolle Erlebnis bald vorbei und so verließen die Wohlfühloase Japan mit der Gewissheit nicht das letzte Mal hier gewesen zu sein. Das nächste mal wollen wir uns unbedingt auch das Umland und die anderen Städte anschauen, denn wir haben nur Gutes von den anderen Reisenden hier gehört. Und auch in Tokio gibt es sicher noch viel mehr zu entdecken. Allein die Veränderungen bis 2020 werden gravierend sein, denn die ganze Stadt putzt sich raus für die olympischen Sommerspiele. Überall wird gebaut und alles auf Vordermann gebracht. Selbst einige Tempelanlagen werden neu gestrichen. Wenn ihr also plant auch mal Japan zu besuchen, dann wartet noch ein bisschen. Es wird sich lohnen.

Beim Flug nach Vancouver überschritten wir die Datumsgrenze. Wir erlebten dadurch einen verlängerten Muttertag und sind nun 9 Stunden hinter euch, anstatt wie vorher 7 Stunden vor euch. Wir haben zwar gleich nach der Landung versucht mit einen Spaziergang durch die Stadt unseren Rhythmus auszustricksen, aber am Montag hat uns der Regen dann doch im Bett bleiben lassen. Jetzt sind wir schon weiter nach Victoria auf Vancouver Island gezogen. Hoffentlich hält sich das Wetter hier auch an die Vorhersage. Heute wollen wir nämlich Wale beobachten und da können wir natürlich kein Regen gebrauchen. Es kann ja nicht angehen, dass ihr besseres Wetter in Deutschland habt als wir. 😉

Esst also bitte alle fleißig auf und drückt uns die Daumen, dass wir ganz viele Riesen der Meere zu Gesicht bekommen. Ob es geklappt hat, lassen wir euch beim nächsten Mal wissen.

 

Bis bald,

Maddin and the Map

 

PS: Der Schnauzer ist weg! ^^

Krokodile, Haie und noch vieles mehr…

Krokodile, Haie und noch vieles mehr…

Hallo ihr lieben Leser,

wie euch der Titel bereits verrät, ist unser Wunsch nach tierischen Erlebnissen in Erfüllung gegangen. Beginnen müssen wir dabei mit einer traurigen Geschichte. Auf der Fahrt von Darwin hinein in den Kakadu-Nationalpark ist mir ein kleines Wallaby vor unser Mietauto gehüpft und hat den Aufprall nicht überlebt. Beim Auto war glücklicherweise nur der Scheibenwischerwassertank gebrochen und wir konnten unseren Trip mit dem gleichen Fahrzeug fortsetzen. Lange hatten wir nicht Zeit den Vorfall zu betrauern, denn es stand der sog. „Yellow-Water-Sunset-Cruise“ an. An Board des kleinen Bootes konnte, vor allem ich mich, wieder entspannen und wir genossen die Fahrt durch die überschwemmte Landschaft des Yellow Water Billabongs. Nur wegen dem hohen Wasserstand war dieses Gebiet überhaupt befahrbar. Kommt man ein paar Wochen später, kann man dort teilweise zu Fuß laufen. Ganz aufgeregt wurden wir alle, als wir das erste Krokodil elegant an der Wasseroberfläche schwimmen sahen. Wirklich beeindruckend wie sich das Reptil lautlos im Wasser fortbewegt. Insgesamt sahen wir sechs Krokodile und viele bunte Vögel auf unserer Fahrt. In der Abenddämmerung durften wir dann sogar noch sog. Jesus-Vogel-Babys durch den Sumpf stapfen sehen. Gerade hatten wir dieses Naturerlebnis verdaut, war auch schon der nächste Tagesausflug geplant. Unsere Gruppe bestand aus zwei älteren Australiern und ihrer Enkelin. In diesen Tag sind wir nicht mit hohen Erwartungen gestartet, denn vom Besucherzentrum wussten wir bereits, dass die Hauptattraktionen wegen des Wasserstandes und der Krokodilgefahr noch gesperrt waren. Zum Glück aber wusste das unser Guide nicht, der gerade selbst erst aus dem Urlaub zurückgekommen war. Eine Schranke konnte ihn nicht von dem Befahren der Straße zum „Gunlom Wasserfall“ aufhalten 😉 So passierte es, dass wir die ersten Touristen in dieser Saison waren, die diesen Wasserfall erkunden durften. Das untere Becken war wegen Krokodilgefahr tabu, deswegen machten wir einen kleinen Aufstieg zum oberen Teil. Dort oben genossen wir die schöne Aussicht und den Blick in ein glasklares Wasser. Das kühle Nass hätte wegen der Hitze wirklich gut getan, aber es bestand immer noch ein kleines Restrisiko, dass sich ein Krokodil auch hier rauf verirrt hat und so entschlossen wir Schisser uns lieber nicht hineinzuwagen. Darüber war unser Guide etwas amüsiert, drängte uns aber nicht. Nach dem Mittagessen kamen wir über ein paar sehr holprige Dschungelstraßen zu einem anderen kleineren Wasserfall. Wieder zeigte sich uns ein traumhafter Fleck Erde und ich entschied mich spontan baden zu gehen. Zugegeben waren vor mir schon drei Australier drin und somit war die Chance eines Krokodilbesuchs sehr gering. Beim Rückweg wäre meine Erfrischung beinahe umsonst gewesen, denn Martin hielt mich gerade noch davon ab in ein riesiges Spinnennetz inklusiver Riesenspinne zu laufen. Eine Schrei- und Schweißattacke wäre dann gewiss gewesen 😉 Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der Kunst. Wir besuchten nämlich die Felsenmalereien der Aborigines. Schon irgendwie unreal vor so einem „Gemälde“ zu stehen das mehrere hundert Jahre vorher angefertigt wurde. Mit vielen neuen Eindrücken verabschiedeten wir uns vom Kakadu-Nationalpark und machten uns auf den Weg nach Batchelor (Ort in der Nähe des Litchfield-Nationalparks). Dazwischen stoppten wir an verschiedenen Wasserläufen. Unbedingt wollte Martin nochmal Krokodile sehen. Schließlich gibt es hier mehr davon als Menschen! Leider ohne Erfolg. Ich hingegen kam immer auf meine Kosten, denn wir sahen allerlei Vögel. Meine neue Leidenschaft die Vogelbeobachtung erreichte bei unserer nächsten Übernachtungsmöglichkeit ihren Höhenpunkt. Hunderte farbenfroher Papageien und Kakadus fanden sich zu ihrem Abendessen hier auf dem Campingplatz ein. Aber nicht nur Abends, auch in der Früh gab es ein wildes geflatter, gepfeife und gekreische. Ich genoss es meinen Kaffee in diesem Tumult zu trinken. Der Besitzer musste schon mit mir lachen und sagte zu Martin, ich sei wohl verliebt in die Vögelchen, so seelig wie ich auf meiner Bank sitze und sie beobachtete. Ein toller Start in den Tag, der noch so vieles für uns zu bieten hatte. Als erstes steuerten wir die Hauptattraktion des Litchfield-Nationalparks, die WangiWangi-Falls an. Wieder sahen wir einen schönen Wasserfall, unter dem man aber wegen Krokodilgefahr nicht schwimmen durfte. Immer das selbe in diesem „Top End“ 😉 Dafür beobachteten wir begeistert eine Menge von rothaarigen Fledermäusen in den Bäumen, deren Gezanke sich anhörte wir Kleinkindergeschrei. Die nötige Abkühlung holten wir uns anschließend bei einem Bad in den „Cascades“. Abgekühlt und frisch gestärkt (durch ein leckeres Magnum) waren wir bereit für den Tolmer Fall. Dort gab es nur eine Aussichtsplattform aus der man den Sturz des Wassers von weiter Ferne beobachten konnte. Trotzdem war es ein wirkliches Spektakel, denn am unteren Ende gab es einen Regenbogen und es war einfach nur schön dieses Wunderwerk der Natur anzusehen. Schwer konnten wir unseren Blick lösen, aber wir wussten es gab noch weiteres in diesem Park anzuschauen und zu erleben. Bei den sog. „Buley Rockholes“ erwartete uns ausgelassene australische Sonntagsstimmung. Die Aussies mit Kind und Kegel erfrischten sich in den verschiedenen Wasserbecken und kleinen Wasserfällen entlang des Flusses. Trotz des Trubels fanden Martin und ich unser ganz eigenes Plätzchen für uns allein. Ich fühlte mich wie ein Kind und schwamm, planschte und sprang fröhlich vor mich hin. ;-D Trotzdem mussten wir weiterziehen, um auch den letzten Wasserfall des Tages zu besichtigen. An den Florence Falls war wieder sehr viel los und wir sprangen nur kurz ins Wasser. Unser Auto stand noch auf dem Parkplatz bei den Rockholes. Wir mussten also wieder zurück und entschieden uns für einen kleinen Umweg durch den Dschungel. Auf dem Weg kamen wir uns vor wie in einer perfekt gestalteten Thermenwelt. Neben uns plätscherte ein Flüsschen, außenrum war der Regenwald und wir fühlten die tropische Hitze auf unserer Haut. Wir mussten schmunzeln, denn das war die wirkliche Natur, die zu Hause in den Schwimmbädern versucht wird zu imitieren. Abschließend betrachteten wir noch die perfekten Bauwerke der Termiten. Manche ragten wie Grabsteine aus der Wiese und waren zur Klimatisierung in Nord-Süd-Richtung aufgebaut, andere waren einfach nur mega groß! Dieser Tag im Litchfield-Nationalpark war echt traumhaft. Leider hatten wir keinen weiteren Tag mehr, da am Montag unser Besuch im „Top-End“ endete. Wir bewegten uns total in meiner Komfortzone als wir bereits eineinhalb Stunden vor dem Abflug an unserem Gate waren. Ich schlenderte noch etwas durch die Geschäfte und entdeckte verschiedene Capis, die zu meiner Überraschung nicht so groß aussahen und evtl. meinem Freund passen könnten. Zur Erklärung wir suchten schon seit Monaten nach einer neuen Kopfbedeckung für ihn und er war schon so verzweifelt, dass er sich beinahe einen Lederhut gekauft hätte. ^^ Trotzdem hatte er heute keine Lust und genoss es lieber nach vier Tagen wieder mal W-Lan zu haben. Als schon der Aufruf zum Boarding kam, winkte mir Martin ganz hektisch aus einem Geschäft zu. Natürlich war ihm in letzter Minute eingefallen, doch mal ein Capi zu probieren und schwups bewegten wir uns aus meiner Komfortzone in einen Schweißausbruch. Wie immer schafften wir es trotzdem noch pünktlich mit neuem Capi ins Flugzeug.

Nächste Station unserer Reise war Cairns. In unserem neuen Hostel fühlten wir uns auf Anhieb wohl und entschieden uns eineinhalb Wochen zu bleiben. Wir nahmen uns wirklich vor einfach mal nichts zu machen, ein bisschen unsere Kanada -und USA-Pläne voranzutreiben und ansonsten die Sonne, den Pool und die Hängematten zu genießen. Dieser Vorsatz hielt nicht lange. Nach einem kurzen Plausch mit dem Rezeptionisten Nick buchten wir einen Tauchausflug und für die zweite Woche mieteten wir ein Auto. Aus dem einen Tauchausflug wurden dann zwei und jeden Tag stand irgendwie was anderes auf dem Plan. Ich weiß, wir dürfen uns nicht beschweren, aber Reisen ist manchmal auch ziemlich anstrengend… Manchmal hätten wir gern Urlaub vom Reisen. Haha 😀 Gleich am zweiten Abend in Cairns schleifte uns der bereits erwähnte Nick mit dem Rest des Hostels zusammen in einen Club. Kostenlose Pizza für alle und Drinks für die Ladys waren seine nicht gerade schlechten Argumente. Die Musik war gut und der DJ gab sein Bestes uns zu unterhalten, nur die richtige Stimmung wollte nicht bei uns aufkommen. Es waren einfach so viele Leute schon jenseits von Gut und Böse. Wer nicht betrunken war, das waren die älteren Herren, die versuchten eine der jungen Alkoholleichen abzustauben. Wir wünschten uns diesen Haufen einfach durch unsere Freunde ersetzen zu können. Dann wäre es mit Sicherheit ein super Abend geworden. So suchten wir doch eher schnell das Weite und mussten feststellen, dass wir dieser Szenerie schon entwachsen sind.

Wir genießen mittlerweile einfach lieber die Natur und so stand am Donnerstag endlich wieder Tauchen auf dem Programm. Wir freuten uns sehr auf das Great Barrier Reef und vor lauter Euphorie hat Martin gleich seine Tauchlizenz im Hostel vergessen. Dank des gemütlichen Lifestyles hier, fuhr ihn das Busshuttle einfach nochmal zurück. Man darf dabei aber auch erwähnen, dass in Cairns alles innerhalb von 15 Minuten erreichbar ist. Überpünktlich fanden wir uns auf dem relativ großen Tauch/-und Schnorchlerboot  „Silverswift“ ein. Die Organisation an Board war aber so gut, dass zu keinem Zeitpunkt irgendein Unbehagen unter den vielen Passagieren aufkam. Nach einem netten, kurzen Briefing ging’s ab ins Wasser. Beim ersten und zweiten Tauchgang sahen wir farbenfrohe Korallengärten, bunte große und kleine Fische. Die Unterwasserwelt des äußeren Great Barrier Reef ist schon etwas besonderes, wobei man auch zugeben muss, dass wir einiges an abgestorbenen Korallen gesehen haben. Ein bisschen enttäuscht waren wir trotzdem, da die anderen Gruppen, sogar manche Schnorchler, Schildkröten und Haie gesehen hatten und wir nicht. Das sollte sich im dritten Tauchgang zum Glück ändern. Wir sahen gleich zwei Schildkröten. Die eine konnten wir sehr gut beim Fressen an den Korallen beobachten. Der Tag war gerettet und wir entschlossen uns nach dem Anlegen im Hafen zurück zum Hostel zu spazieren anstatt den Bus zu nehmen. Unser Heimweg führte uns am Meer, der sog. Esplanade, entlang und plötzlich schlenderte uns ein bekanntes Gesicht entgegen. Mickaêl, einer der vier Franzosen, die wir im Outback auf einem Campingplatz kennengelernt haben, war genau so überrascht uns zu sehen. Australien ist einfach zu klein 😉 Die Wiedersehensfreude war sehr groß und so trafen wir uns die nächsten Abende immer wieder mit dem lustigen Quartett, bestehend aus Quentin, Charly, Manon und Micka. Wir schwammen zusammen in der künstlich angelegten Lagune von Cairns, tranken bayrisches Bier oder spielten Fußball (also die Jungs zumindest).

Dass wir beim ersten Tauchtag keinen Hai gesehen hatten, konnten wir nicht auf uns sitzen lassen. Wir buchten für Sonntag gleich nochmal einen Ausflug mit 3 Tauchgängen. Diesmal starteten wir von Port Douglas und mussten wegen der einstündigen Fahrt dort hin bereits um 06:50 Uhr los. Eigentlich waren wir noch ziemlich müde, aber wir hatten einen super, lieben australischen Busfahrer, der uns mit seinen Geschichten die Fahrt und den Morgen versüßt hat. Ganz anders ging es auf dem Boot zu. Alles war sehr hektisch und die Mitarbeiter wirkten eher gestresst. Anfangs war unsere Stimmung unter Wasser auch nicht so toll, denn wir bemerkten schnell, dass die anderen in unserer Gruppe verschiedene Schwierigkeiten hatten. Ein Tauchguide für 8 Taucher ist in dem Fall einfach zu wenig. Nach einer gefühlten Ewigkeit waren endlich alle am Meeresgrund (knapp 18 Meter tief) angekommen. Wir ließen uns ein bisschen zurückfallen, um dem Gewusel zu entgehen und plötzlich war er da, der erste Hai! Ein ca. 1,5 Meter langer Weißspitzenriffhai. Elegant zog er am Riff entlang an uns vorbei. Als das Tier hinter uns kehrt machte und in unsere Richtung schwamm, schlugen unsere Herzen kurzzeitig ein bisschen schneller. Der Hai selbst störte sich natürlich gar nicht an uns und zog nach einer weiteren Drehung einfach weiter. Martin war so fasziniert, dass er es glatt versäumte ein Foto zu machen. Zum Glück zeigte sich schon beim nächsten Tauchgang ein weiterer Hai. Er lag brav im Sand und wartete auf Beute. Gelassen schwammen wir weiter als ich plötzlich Martin wild gestikulierend bemerkte. Der Hai zog nochmals an uns vorbei und ich hätte ihn beinah nicht gesehen. Diesmal hatte ich die Kamera und drückte auch ab. An dem Tag wollte mir Martin öfter etwas zeigen und ich wurde ein paar mal nicht auf ihn aufmerksam. In seinen Augen sah ich wie ihn das störte, warum ich denn nicht auf sein Klopfen, Winken, etc. reagierte!?  Da musste ich einfach lachen. Meinen Freund unter Wasser diskutierend zu sehen war einfach zu witzig ;-D

Ab Montag wollten wir auch noch das Festland um Cairns erkunden und mieteten mal wieder ein Auto für unsere Unternehmungen. Ohne kommt man hier in Australien einfach nicht weit. Noch ziemlich erledigt vom Tauchen und anschließenden Beachvolleyballspielen ging bei uns alles ein bisschen langsamer. Wir rafften uns trotzdem auf und fuhren zu den Crystal Cascades. Der Name ist Programm. Kristallklares Wasser mitten im Regenwald. Deshalb sahen wir vom Weg aus sogar eine kleine Wasserschildkröte. Es regnete leider ein bisschen, aber dadurch war das Erlebnis Regenwald noch authentischer. Das kann man gar nicht so einfach beschreiben… Es fühlte sich an wie in nem Tropenhaus nur viel größer 🙂 Den sehr müden Martin schleppte ich dann noch zu den Barron Falls. Mehr war aber für heute nicht mehr drin. Zurück im Hostel schliefen wir sofort ein. Natürlich war schon noch was drin. Unsere Franzosen hatten Arbeit an einem Haus gefunden, bei dem sie auch übernachten konnten und wir wollten uns noch von ihnen verabschieden. Mit Eis und Bier bewaffnet fuhren wir zur uns beschriebenen Adresse. Dort war ein riesen Eingangstor, aber keine Klingel. Wir versuchten es mit Klopfen und riefen ihre Namen. Nichts rührte sich. Komisch. Es war schon nach acht Uhr abends, trotzdem wussten wir uns nicht besser zu helfen und wir hupten kurz. Endlich gingen Lichter an und jemand kam zur Tür. Leider waren es nicht Micka, Quentin oder Charly. Nein, es waren die Arbeitgeber unser französischen Freunde. Wie peinlich! Ich traute mich gar nicht ins Haus, aber Martin kam 5 Minuten später mit der richtigen Adresse wieder heraus und das australische Ehepaar schien es gelassen zu nehmen. Trotzdem hatte „Micka the Mistake“ seinen Spitznamen weg, da er derjenige war, der uns die falsche Adresse gegeben hatte. Der Abend sollte sehr lustig weitergehen und wir verabschiedeten uns am Ende nicht ohne Wehmut von unseren vier französischen Freunden. Der Dienstag bestand hauptsächlich aus Wasserfällen. Wir fuhren eine große Runde im Süden von Cairns, die auch von den Touristenbussen abgefahren wird. Das Wetter spielte nicht ganz mit, aber an den Milla Milla Falls ließen wir uns ein Bad trotz der kühlen Temperaturen nicht nehmen.

Ab Mittwoch führte unser Weg raus aus Cairns um abschließend die letzten Tage im Daintree-Nationalpark zu verbringen. Auf der Fahrt hoch bis zum Cape Tribulation (Ort an dem Regenwald und Great Barrier Reef aufeinandertreffen) gab es einige kurze Spaziergänge durch den Regenwald inkl. Schwimmgelegenheiten. Ins Meer durfte man hier trotz schöner Strände allerdings nicht, da es die Heimat von Krokodilen und den gefürchteten Würfelquallen ist. Das Highlight war sowieso ein ganz anderes: wir haben tatsächlich eine Schlange gesehen! Als ich sie entdeckt habe, sprang ich Martin hysterisch an den Hals und kriegte mich gar nicht mehr ein, weil ich sie so eklig fand. Martin hingegen bewunderte sie und fühlte sich ganz geehrt dieses „schöne“ Lebewesen in freier Natur beim Sonnenbaden zu sehen. Für die Naturfreunde unter euch sei gesagt, dass es sich um eine rotbauchige Schwarzotter handelte, die zu den 10 giftigsten Schlangenarten zählt. Martin wusste das und so drehten wir lieber um als uns ihr weiter zu nähern.

Ein weiteres Highlight war Martins Tarzansschwung ins kühle Nass, aber seht selbst…

 

Von Freitag bis Montag waren wir ein zweites Mal in Sydney (Shitney), wobei der Besuch keinen Reisemehrwert brachte. Martin war 3 Tage in der Bücherei, um unsere Pläne für die USA zu vollenden. Und ich? Mich hat eine Erkältung ans Hostelbett gebunden. Sydney und ich werden einfach keine Freunde mehr.

Seit gestern früh um 6 Uhr Ortszeit (vorgestern 23 Uhr MEZ) sind wir nun in Tokio und mir geht es auch wieder etwas besser. Die Stadt Tokio hat es uns schon jetzt angetan. Es ist mal wieder was ganz anderes, aber dazu mehr im nächsten Beitrag.

 

Liebe Grüße aus dem Land des Lächelns,

Eure Weltenbummler

Sydney, Melbourne und ab durch die Mitte

Sydney, Melbourne und ab durch die Mitte

Hallo ihr Osterhasen!

Wir hoffen ihr hattet ein paar schöne Feiertage. Bei uns gab es Knoppers und Toffifee von unserem Hasen namens „Aldi“.  Außerdem haben wir nun schon mehr als 2 Wochen den roten Kontinent bereist und wollen es nicht versäumen euch von unseren Erlebnissen zu berichten.

Dass unser Australienbesuch in Sydney begann, sollte der treue Leser bereits wissen. Dort wollten wir Franzi (Tinas Reisefreundin aus ihrer ersten Australienreise) und das Pärchen Ina und Dylan (haben wir in Thailand getroffen) wiedersehen. Ansonsten hatten wir noch keine großen Pläne gemacht und so starteten wir unseren ersten Tag gemütlich mit Frühstück im Hostel. Dabei lernten wir Philina, eine ebenfalls deutsche Backpackerin, kennen und wir beschlossen den coastal walk vom Coggee zum berühmten Bondi Beach zu machen. Der ca. 3-stündige Spaziergang führte von einer Bucht mit Traumstrand zur Nächsten. Da Samstag war und die Sonne ihr Bestes gab, war entsprechend viel los. Das war aber keineswegs störend, denn so konnten wir das bunte Treiben Sydneys und vor allem die vielen Surfer und anderen Sportler hautnah mit erleben. Am Bondi Beach schmissen wir uns sogar in die Wellen. Diese hatten eine solche Kraft, dass es uns mehrmals richtig durchspülte.  Zum Abschluss des Tages zog es uns zu den beiden Wahrzeichen der Stadt. Die Habour Bridge und das Opera House zeigten sich ebenfalls von ihren Schokoladenseiten. Der Sonntag sollte uns in die Blue Mountains außerhalb von Sydney führen. Wobei außerhalb dabei ziemlich weit weg bedeutet (ca. 160 km). An Sonntagen zahlt man in Sydney nur 2,50 Dollar für alle Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und so entschlossen wir uns die 2,5-stündige Zugfahrt auf uns zu nehmen. Ziel waren die Wentworth Falls und der National Pass durch den Blue Mountain Nationalpark. Ausnahmsweise hatten wir uns vorher nicht schon bei Herrn „Google“ umfangreichend informiert und waren deshalb schwer beeindruckt von der Schönheit, die sich uns auf dem Wanderweg zeigte. Der National Pass führte entlang der teils überhängenden Sandsteinklippen und bot immer wieder atemberaubende Ausblicke. Die nächste Überraschung erwartete uns auf dem Rückweg zum Zug als wir noch durch eine Wohnsiedlung liefen und es nur so von Kakadus und Papageien wimmelte. Die insgesamt 5 Stunden Zugfahren an diesem Tag haben sich also definitiv gelohnt. Damit war der Tag aber noch nicht zu ende. Ina und Dylan zeigten uns noch ihre Lieblingseisdiele, in der wir einige schöne Stunden verbrachten. Das Eis war lecker, aber der Regen prasselte nun gegen die Fensterscheiben. Dieser sollte die nächsten Tage anhalten und so konnten wir Sydney nicht weiter in vollen Zügen genießen. Wir hatten zwar noch einen sehr schönen Brunch mit Franzi am Montag, aber den Rest der Zeit haben wir in der Bibliothek verbracht, um euch von Neuseeland zu berichten und unser weiteres Vorgehen zu planen.

Das Ergebnis der Planungen war ein Flug nach Melbourne am Mittwoch. Da im Süden bis zum Sonntag besseres Wetter gemeldet war, entschieden wir gleich vom Flughafen ein Auto zu mieten und zunächst die Great Ocean Road abzufahren. Die Stadt musste warten und so fuhren wir am ersten Tag gleich bis nach Torquay, den Startpunkt der Great Ocean Road. An einem Tag ging es die 260 km lange Küstenstraße bis nach Warrnambool entlang. Man könnte sich gut und gerne 2 Tage dafür Zeit nehmen, aber auch so reichte die Zeit um Koalas, einen Ameisenigel, die berühmten 12 Apostel und einen wunderschönen Sonnenuntergang zu bewundern. Nach der atemberaubenden Natur Neuseelands waren wir von der Great Ocean Road an sich nicht so überwältigt. An den Hauptattraktionen geht es viel zu touristisch zu. Das Gefühl für die tolle Natur will sich einfach nicht einstellen, wenn 100 Leute nebeneinander ihre Selfies vor den Felssäulen machen. Wenn man sich aber im Nachhinein die Fotos anschaut und vor allem an die süßen Tiere zurückdenkt, merkt man erst welch ein tolles Erlebnis es war, das wir nicht missen wollen. Am Freitag fuhren wir weiter in den Grampians Nationalpark. Dort angekommen klapperten wir gleich einen Großteil der Sehenswürdigkeiten des Parks ab. Zuerst ging es zu den MacKenzie Falls, die mit einem kleinen Regenbogen für uns aufwarteten. Als zweites waren die sog. Balconies dran, auf denen wir unsere Blicke in die Ferne schweifen ließen und ein endloses Fotoshooting veranstalteten. Gar nicht so einfach den perfekten Schuss in einem Bild festzuhalten, aber Tina hat es geschafft. 😉

Als Abschluss wollten wir noch die Silverband Falls anschauen und waren ziemlich erstaunt über das Rinnsal, welches als Wasserfall verkauft wird. Wir bauten ein Steintürmchen im trocken Flussbett, um irgendetwas bestaunen zu können  und machten uns auf den Rückweg zum Auto. Plötzlich packte mich Tina am Arm. Da standen keine 10 Meter entfernt zwei Rehe und grasten gemütlich vor sich hin. Wir schlichen uns vorbei, um die Zwei nicht aufzuschrecken und als wir gerade unseren Schritt beschleunigen wollten, schaute uns ein Känguru vom Flussbett her verdutzt an. Auf den letzten Metern zu unserem kleinen Fiat erblickten wir sogar noch ein Wallaby in einiger Entfernung. Die anzutreffende Tierwelt in Australien ist einfach wunderbar. Leider haben wir in der Zeit hier auch viele tote Tiere auf den Straßen gesehen, aber das gehört eben auch dazu. Am Samstag haben wir noch eine Wanderung zum Pinnacle gemacht und wären gerne länger in dem gemütlichen Örtchen Halls Gap geblieben, aber wir mussten das Auto abends in Melbourne abgeben. Mit Erreichen der Stadt erwischte uns auch wieder der Regen. Das Wetter in Australiens Städten ist anscheinend nicht ganz auf unserer Seite. Jedenfalls haben wir Dank des Regens nicht so viel von Melbourne gesehen, wie wir gerne hätten. Wir mussten uns erstmal klar werden wo es nach Melbourne für uns hingehen sollte. Deshalb verbrachten wir fast den ganzen verregneten Sonntag damit alle möglichen Szenarien durchzuspielen. Habe ich schon einmal erwähnt, dass Reisen manchmal verdammt anstrengend ist? 😉 Sei es drum. Am Abend waren wir mit Marco und Maddie (dem Pärchen, welches wir beim Wandern in Neuseeland kennengelernt hatten) indisch Essen und hatten einen schönen Abend zu viert. Am Tag darauf durfte ich alleine ins Museum von Melbourne und Tina musste in der Bibliothek noch ein paar Planungen vorantreiben. Weit sind wir beide nicht gekommen, aber zumindest habe ich meine Dinosaurier und das riesige Blauwalskelett gesehen.

Schneller als gedacht, startete nämlich am Nachmittag unser nächstes Abenteuer. Ich hatte ja bereits erwähnt, dass wir keinen wirklichen Plan für die restlichen Wochen hier hatten und so entschlossen wir uns kurzerhand eine Überführung eines Geländewagens von Melbourne nach Darwin zu machen. Ziel war es dabei den Uluru / Ayers Rock im Zentrum Australiens zu besuchen ohne die extrem hohen Kosten für die Flüge nach Alice Springs zu zahlen. Wegen der Osterferien gehen die Flugpreise hier nämlich gerade durch die Decke. Wir fuhren raus zum Vermieter Britz und hatten 8 Tage Zeit um das Auto in Darwin abzuliefern. 8 Tage klang super und Camping hatten wir in Neuseeland ja auch liebgewonnen. Vor Ort kamen aber ein paar Überraschungen auf uns zu. Erstens: der Geländewagen war nagelneu (31 km auf dem Kilometerzähler). Bloß keinen Kratzer rein machen! Zweitens: statt dem erhofften Dachzelts, bekamen wir ein 4-Mann-Zelt zum Aufbauen auf dem Boden. Viel Zeit zum Nachdenken blieb uns eh nicht, also los. Natürlich nicht ohne vorher noch einen Einkauf zu machen, mit dem man eine ganze Fußballmannschaft über eine Woche satt bekommen hätte. Tinas Angst vor dem Hunger ist stärker als jede Vernunft. 😀 Vollgepackt mit vielen Sachen, die das Leben schöner machen, begann unseren Roadtrip einmal mitten durch diesen riesigen Kontinent. Gleich in der ersten Nacht mussten wir dann im Dunkeln und ohne Anleitung das Zelt aufbauen. Wir hatten noch nicht den Gummihammer im Auto gefunden und der Boden ließ die Heringe nur zur Hälfte versinken. Dementsprechend windig war die ganze Sache und führte dazu, dass wir das Zelt nur noch zweimal während der ganzen Tour aufbauten. Die restlichen Nächte schliefen wir einfach im Auto, was dank Matratze und Schlafsack überraschend komfortabel war. Bis zum Uluru mussten wir knapp 2.300 km zurücklegen und man darf hier ja nur 110 km/h fahren. Unser Ziel war es am Donnerstag zum Sonnenuntergang dort zu sein. Deshalb fuhren wir die ersten Tage fast ununterbrochen. Am Mittwoch ratterten wir stolze 1.101 km runter und kamen Donnerstag Mittag überpünktlich auf dem schönen Campingplatz im Zentrum an. Den Sonnenuntergang verfolgten wir in unseren Campingstühle aus der ersten Reihe. Bei Toffifee und Zitronenlimonade bewunderten wir die Farbveränderung des heiligen Felsen von gelb über orange zu glutrot bis hin zu dunkelgrau. Am Freitag machten wir uns gleich in der Früh wieder auf den Weg, um auch den Sonnenaufgang zu sehen. Leider waren Tina und ich über die Wahl der Perspektive ausnahmsweise mal nicht im Einklang und so schauten wir eher trotzig nebeneinander der Sonne beim Aufgehen zu. Gerade als ich diese Zeilen schreib, müssen wir beide sehr darüber lachen. Welches Paar kann schon von sich behaupten, seinen einzigen „Streit“ der letzten 4 Monate vor so einer Kulisse ausgetragen zu haben. 😛

Schnell war alles wieder im Lot und wir spazierten friedlich zum Felsen, um ihn aus der Nähe zu betrachten. Für Tina war es ja bereits das zweite Mal am Ayers Rock. Sie hatte damals ganz sicher nicht geglaubt, dass sie so schnell wieder an diesen ungewöhnlichen Ort kommen würde. Freilich ist es diesmal eine ganz andere Art und Weise das rote Zentrum zu bereisen. Damals ist sie nämlich mit dem Flieger nach Alice Springs gekommen. Jetzt jedoch ließ uns jeder zurückgelegte Kilometer die Weite dieses Landes noch intensiver spüren. Auch die Freundlichkeit, die bei Campern untereinander herrscht, ist etwas sehr Besonderes. Wir haben das schon in Neuseeland gespürt und auch hier ist es wieder so. Egal auf welchen Campingplatz (ob klein oder groß) wir waren, immer sind nette Leute um einen und manchmal entwickelt sich auch ein tolles Gespräch mit den jeweiligen Nachbarn. Jeder grüßt jeden und man hilft sich gegenseitig ganz gleich welcher Herkunft, Hautfarbe oder Religion. So übernachteten wir einmal neben 4 Franzosen und hatten einen tollen Abend alle zusammen.

Ich wünschte mir, die Welt wäre ein riesiger Campingplatz!

Auch die Fahrt weiter nach Darwin war ein Erlebnis für sich. Die Landschaft änderte sich von roter Wüste zu grünem Regenwald. Zu den vielen Bussarden entlang des gesamten Weges, gesellten sich nun auch ein paar größere Echsen. Die teilweise 1,5 Meter großen Reptilien sonnten sich auf der Straße, aber entweder waren wir zu schnell dran vorbei oder die Echse zu schnell weg, als dass ich sie genauer hätte betrachten können. Am letzten Tag hat Tina als unschönes Highlight leider eine Schlange überfahren. Insgesamt waren die 4.307 km aber eine schöne Reise und keinesfalls langweilig, zumal wir als Muntermacher Hörbücher an Bord hatten. Von Don Winslow bis Winnetou und Disneys Pocchahontas war alles so unterhaltsam, dass die Fahrten wie im Flug vergingen.

So sind wir nun seit Montag in Darwin angekommen und haben nicht nur einen Sprung auf der Landkarte gemacht, sondern auch auf dem Thermometer. 20 Grad trennen uns nun vom 13 Grad kalten Melbourne. Gerade richtig, um unsere Reise mal etwas zu entschleunigen und im Hostel mit Pool abzuhängen. Sogar Champions League konnte ich hier heute Nacht sehen. Mein Dank gilt an der Stelle Raphael. Die live WhatsApp-Videoübertragung von München nach Darwin hat super geklappt. Nur der Ausgang war nicht nach unserem Geschmack. 🙁 Morgen ziehen wir dann aber weiter. Mal wieder mit dem Auto wollen wir in die Nationalparks Kakadu und Litchfield. Dort bekommen wir hoffentlich noch mehr Tiere vor die Linse, wobei wir natürlich auch einen gewissen Abstand zu den über 350.000 Krokodilen hier (mehr als Menschen) halten werden. Am Montag fliegen wir nach Cairns, um zum Abschluss von Australien auch dem Great Barrier Reef einen Besuch abzustatten, bevor es uns am 08. Mai von Sydney aus weiter nach Tokio zieht.

So jetzt seid ihr wieder auf dem Laufenden und wisst worauf ihr euch im nächsten Beitrag freuen könnt. Bis dahin, bleibt gesund, munter und menschlich zueinander!

 

Eure Weltenbummler

 

 

Grün, Grüner, Nordinsel

Grün, Grüner, Nordinsel

Wow! Fast 6.500 km haben wir in unseren 32 Tagen Neuseeland zurückgelegt. Unser „Black Sheep“ (Toyota Granvia) ist uns in der Zeit sehr ans Herz gewachsen und so waren wir etwas traurig unsere lieb gewonnen vier Wände in Christchurch hinter uns lassen zu müssen. Mittlerweile sind wir nämlich schon in Sydney und haben das Campingleben wieder gegen das Hostelleben eingetauscht. Da wir euch aber noch den Bericht von der Nordinsel schuldig sind, erzähl ich euch einmal, wie die vielen Kilometer zusammengekommen sind…
In Wellington empfing uns ein rauer Wind, Regen und ein Parkplatzdesaster. Ich weiß nicht wie lange wir durch irgendwelche Einbandstraßen gefahren sind, um endlich einen geeigneten Standort für unser Gefährt zu finden. Schlappe 4 $ die Stunde durften wir für den hart erkämpften Parkplatz in den Automaten schmeißen. Zu meiner Nervenberuhigung gab’s dann erstmal ein leckeres indisches Essen und für Martin Sushi in einem sehr schnuckeligen Food Court. Nach einem kurzen Wettercheck, haben wir uns schnell darauf geeinigt, dass wir als nächstes das sog. Tongariro Crossing machen wollen. Diese alpine Tageswanderung gehört zu den Hauptattraktionen des Landes und nicht wenige behaupten, es sei die schönste Tagestour der Welt. Deswegen hielten wir uns nicht lange in der Hauptstadt auf und fuhren in Richtung Tongariro Nationalpark. In der Touristeninformation haben wir ein Shuttle für den nächsten Tag gebucht, dass uns um 07 Uhr morgens vom Parkplatz am Endpunkt zum Startpunkt der Route bringen sollte. Gesagt, getan. Pünktlich um 05:50 Uhr standen wir auf einem kleinen Parkplatz im Tongariro Nationalpark und warteten auf den Bus. Ihr fragt euch warum wir dort so früh waren!? Ganz einfach, weil viele Touristen auf das gute Wetter für die Wanderung gewartet haben und es nur sehr begrenzt Parkmöglichkeiten gibt. Die Dame von der Touristeninfo hatte uns schon vorgewarnt und mehrmals betont früh dort zu sein. Sie sollte auch Recht behalten, denn gefühlt nach 30 Minuten stand wirklich jeder kleine Fleck mit Autos voll. Insgesamt kam man sich bei der Wanderung eher so vor als hätte man eine Pilgerfahrt gebucht. Immer lief jemand vor einem oder wollte hinter einem vorbei. Den ersten Teil des Weges war ich wirklich genervt und habe mich gefragt was das heute noch werden soll. Nach den sog. „Teufelsstufen“ konnte man einfach den Weg weiter gehen oder den aus „Herr der Ringe“ bekannten „Schicksalsberg“ / „Mount Doom“ besteigen, was einen Umweg von 3 Stunden bedeutete. Klar scheuten wir die Herausforderung nicht und wollten mal in einen Vulkankrater schauen. Ich kann euch sagen, dass es die dümmste Entscheidung auf unserer bisherigen Reise war. Da hoch gibt es natürlich keinen offiziellen Weg und so bewegten wir uns auf unbefestigten Geröllmassen steil nach oben. Ständig in der Angst von einem losgetretenen Stein der Vordermänner getroffen zu werden oder selbst etwas loszutreten, macht das einfach keinen Spaß. Am Ende wurde es dann nochmal so richtig hart als uns der Wind mit 50 km/h um die Ohren blies. Oben angekommen blickten wir in ein graues unspektakuläres Gesteinsloch und machten uns ziemlich enttäuscht sofort auf den Rückweg. Der Abstieg war etwas einfacher, da man sich über das Geröll nach unten gleiten lassen konnte. Trotzdem wollte ich jedem der uns entgegen kam am liebsten zuschreien: „Dreht einfach wieder um und nehmt für dieses graue Loch nicht diesen besch… Weg in Kauf!!!“ Auf der restlichen Strecke kam man sich ein bisschen wie auf einer Erkundungstour eines fremden Planeten vor. Schwefelgeruch hing in der Luft und zwischen karger Landschaft tauchten plötzlich türkisblaue Seen auf und sogar der „Mount Doom“ zeigte sich aus einer anderen Perspektive von seiner schönen Seite. Aus verschieden Ecken dampfte es aus der Erde und Martin stellte fest, dass wir wirklich auf einer kleinen Herdplatte leben 😉 Je näher man dem Ende kam umso grüner wurde es und zum Abschluss ging es durch einen kleinen Regenwald mit Wasserfall. Nach 9 Stunden war der Abstecher in eine andere Welt beendet und ich lag fix und fertig im Camper! An dem ganzen Tag wollte sich leider das entspannte Wandergefühl, wie wir es auf der Südinsel gespürt haben, wegen der Menschenmassen nicht bei uns einstellen. Wenn man aber die Bilder dazu betrachtet, kann man die Faszination für diesen einzigartigen Wanderweg trotzdem gut verstehen.
Bei unserer anschließenden Fahrt nach Waitomo tauchten wir wieder in eine völlig neue Welt ein. Wir waren auf einmal umgeben von lauter saftig grünen Hügeln, die als Weideland für Schafe und Kühe dienen. So weit das Auge reicht war es schön grün und wir konnten diese Naturveränderung nicht wirklich glauben. Für uns macht dies auch einen großen Teil der Faszination Neuseeland aus. Man sitzt im Auto fährt gemütlich von A nach B und fühlt sich wie in mitten seiner eigenen Naturdokumentation. Wir würden es jederzeit wieder mit dem Camper so machen.
In Waitomo wurde meinem Körper keine Pause gegönnt sondern wir seilten uns 27 Meter in eine Höhle ab. Dort angekommen wateten wir einen kleinen Fluss entlang, um uns später mit großen Reifen von der Strömung treiben zu lassen und uns mit unseren Neoprenanzügen durch enge Gesteinsspalten zu quetschen. Als Höhepunkt machten wir auf einer kleinen Sandbank im Inneren Halt. Wir saßen im Dunkeln, hörten nur den Fluss und konnten Millionen von Glühwürmchen über unseren Köpfen bewundern. Ein toller Moment! Zum Schluss durften wir dann die 27 Meter wieder selber raufklettern und konnten endlich wieder die Wärme der Sonne spüren.
Weiter ging es vorbei an Auckland nach Whangarei. Geplant hatten wir dort eigentlich noch nichts. In der Touristeninfo mussten wir aber gleich wieder feststellen, was Neuseeland noch alles zu bieten hat! Deswegen hieß es richtig früh aufstehen (3:30 Uhr) und im Dunkeln auf den Mount Manaia wandern. Wir genossen dort einen traumhaften Sonnenaufgang in einer märchenhaften Kulisse. Für Martin und mich war das ein besonderer Moment auf unserer gemeinsamen Reise, da wir beide noch nie so bewusst einen Sonnenaufgang erlebt hatten. Sehr gut gelaunt, machten wir noch einen entspannten Spaziergang zur sog. Smuggler-Bay. Zum ersten Mal in Neuseeland schmissen wir uns ins Meer und durften gleich die Kraft der Wellen spüren.
In diesem Sinne bestiegen wir am Tag darauf ein Boot im kleinen Hafen von Tutukaka. Wir wollten schließlich noch die andere Seite von Neuseeland sehen, nämlich die Unterwasserwelt. Bei der Inselgruppe die „Poor Knights“ hielten wir an zwei verschiedenen Tauchplätzen. Im Vergleich zu Thailand war bei unseren Tauchgängen hier alles etwas anders… Zu Beginn mussten wir uns in dicke Ganzkörper-Neoprenanzüge zwängen (was ich gleich mal falsch rum machte und deswegen zweimal das Vergnügen hatte. Haha.). Dann tauchten wir zum ersten Mal in Kaltwasser und das Seegras, was uns unter der Oberfläche empfing war ungewohnt. Trotzdem konnten wir wieder viele schöne bunte Fische und Korallen beobachten. Zudem hatten wir zwei wirklich witzige Tauchguides dabei. Der eine spielte sogar eine Szene aus Harry Potter vor und flog auf seinem Besen (=Seegras) unter Wasser durch die Gegend. 😉 Am Ende des ersten Tauchgang durfte ich sogar einen Stachelrochen sehen. Martin hat das elegante Tier leider verpasst.
Natürlich müssen wir auch zugeben, dass es auf der Reise solche Tag gibt und auch mal andere. Diesen anderen Tag erlebte Martin am Tag darauf. Nach dem Aufstehen tritt er in Entenkot, beim Versuch eine Höhle auf eigene Faust zu erkunden stürzt er, sein Onlinebankingaccount wird grundlos gesperrt und schlussendlich kommen wir so spät auf der Halbinsel „Coromandel“ an, dass wir zu der Cathedral Cove joggen müssen, um noch ein bisschen was zu sehen. Zum Glück sind solche Tage sehr sehr selten und zumindest einer von uns kann sich darüber meist amüsieren… im oberen Fall ich, da alles wirklich nicht so schlimm war 😉 Zum Ärgern bleibt eh keine Zeit, da schon wieder der nächste schöne Programmpunkt am Plan steht. White Water Rafting auf dem Kaituna River bei Rotarua. Nach einer kurzen Einweisung schlängelten wir uns den Fluss entlang und durften sogar ein kleines Bad bei einer kreisförmigen Strömung nehmen. Der Höhepunkt aber war das Befahren des höchsten kommerziell befahrbaren Wasserfalls der Welt. Unser voll besetztes Boot mit acht Mann stürzte den 7 Meter hohen Okere Wasserfall runter. Man bekommt vom Wasserfall an sich nicht wirklich was mit, aber zumindest haben wir jetzt einen Eindruck wie sich unsere Wäsche im Schleudergang fühlen muss. Wir überschlugen uns und wurden einmal kräftig durchgespült. Am Ende saß aber jeder wieder strahlend und wohl behalten im Boot. Zur Entspannung nach so einer wilden Fahrt suchten wir uns einen gemütlichen Campingplatz an einem See. Den verließen wir am nächsten Tag wieder, um ein paar Naturschauspiele zu bewundern und sogar selbst zu spüren. In der Nähe von Rotarua schauten wir uns einen großen speienden Geysir und brodelnde Matschlöcher an. Martins Theorie, dass wir auf einer Herdplatte leben wurde wieder mal deutlich sichtbar ;-). Zum Abschluss unserer kleinen Rundfahrt machten wir Halt an einer kleinen Flussgabelung. Dort fließen eine kalte und eine heiße Strömung zusammen. Man konnte für sich selbst entscheiden, welche Temperatur einem am besten gefiel oder zwischen heiß und kalt hin und her wechseln. Ein bisschen fühlten wir uns wie bei einem Saunagang. Nachdem wir unseren Campervan in der Nähe von Taupô abgestellt haben, machten wir einen kleinen Abendspaziergang zu den Huka Falls. Martin war den ganzen Weg durch ein Waldstück amüsiert von meinem Schuhwerk (FlipFlops) und so kamen wir fröhlich gestimmt an dem so beeindruckenden Wasserfall an. 200.000 Liter pro Sekunde reisendes Wasser fließt da runter. Was für ein Tagesabschluss.
Eigentlich wollte Martin mit mir am nächsten Tag unbedingt eine riesen „Bungyschaukel“ den sog. Giant Swing ausprobieren, aber zum ersten Mal auf der Reise legte ich ein Veto ein und wir fuhren stattdessen wieder Richtung Wellington. Wir hatten nämlich noch zwei Dates mit der Südinsel oder besser gesagt mit dem Abel Tasman Nationalpark und mit Kaikoura. Und da das Wetter auch mitspielte, nahmen wir zum zweiten mal die Fähre, um wieder auf die Südinsel zu kommen. Unser Black Sheep brachte uns über die nicht ganz einfache Serpentinenküstenstraße von Picton nach Kaiteriteri an den Rand des Abel Tasman. Den Park selber kann man nur ohne Auto erkunden, da es dort keine Straßen gibt. Wir haben uns zunächst für das Kajak entschieden. Unsere Vormittagstour führte entlang der tollen Küstenlandschaft, in natürliche Höhlen und in eine Lagune, die nur bei Flut befahrbar ist. Am Nachmittag fuhren wir mit dem Wassertaxi zum Anchorage-Beach und machten eine kleine Wanderung ins Innere des Parks zu den Cleopatra-Pools. Diese waren insgesamt nicht so beeindruckend, aber wegen Martins Sprung ins eiskalte Nass und die natürliche Rutsche waren sie es wert! Unser Abendessen genossen wir mit unserem Campervan mit Blick aufs Meer und machten uns anschließend auf eine anstrengende Nachtfahrt Richtung Kaikoura. Wir wollten noch so weit wie möglich kommen, um nicht die ganze Strecke am nächsten Tag fahren zu müssen. Seit dem Erdbeben im November ist die eigentlich kürzere Strecke über den Highway 1 nördlich von Kaikoura nicht mehr passierbar. Und zu unserem Unglück wurde auch der Teil zwischen Kaikoura und Christchurch genau in dem Zeitraum für Bauarbeiten gesperrt. Deshalb musste der gesamte Verkehr, zu dem Nachts vor allem LKWs mit Holz und Baumaschinen zählen, durch die Inlandsroute rollen. Wir mittendrin statt nur dabei. Nach 470 km, gefühlt 1.000 LKWs und doppelt soviel Baustellen sind wir am nächsten Tag dann aber frühzeitig in Kaikoura angekommen. Leider war einer schon vor uns da, und zwar der Nebel! Anstatt traumhaften Meerblick sahen wir weiße Wände an uns vorbeiziehen. Wir ließen uns davon nicht beeindrucken und gingen nach dem Mittagessen am Strand entlang. Für Martin endete unser Weg mit einem nassen Fuß. Das passiert, wenn man auf die Freundin hört und ohne Furcht einen zu großen Sprung wagt. Zu meiner Verteidigung muss ich aber auch erzählen, dass er nicht wirklich gesprungen ist, sondern wegen der Kiesel am Boden einfach weitergelaufen ist. Für uns beide endete diese Aktion in einem Lachanfall. Das Video dazu ist Gold Wert. 😀 Da sich trotzdem teilweise der blaue Himmel durchkämpfte, wagten wir noch einen weiteren Spaziergang zum „Robbenstrand“. Erst liefen wir auf den Felsenplateaus herum und waren enttäuscht nur ein paar der Tiere aus der Ferne beobachten zu können. Wir gingen weiter und sahen gut getarnt das erste Exemplar faul vor uns liegen. Man musste wirklich aufpassen nicht auf die Robben selbst zu treten, da sich ihr trockenes Fell den Felsfarben angepasst hat. Und dann machte es plötzlich Plitsch, Platsch und es war um mich geschehen 😉 Ein Prachtkerl von Robbe ist neben mir aus dem Wasser gehüpft und posierte in aller Seelen Ruhe für unsere Kamera. Immer wieder hoppelte der Kollos weiter vom Wasser weg in unsere Richtung. Leider wurde der Himmel immer grauer und irgendwann konnten wir gerade noch den Weg vor uns sehen. Es war also Zeit zum Campingplatz zu fahren und unser Essen zu kochen. Im strömenden Regen lagen wir abends in unserem Bettchen und konnten nur hoffen, dass sich das Wetter bis morgen änderte. Und so war es auch. Als ich aufstand empfing mich die Sonne. Während Martin duschen war, besuchte ich den Strand der direkt vor unserer „Haustür“ lag. Ich war allein in der Bucht und schaute zu, wie die Nebelschwaden davonzogen. Getoppt wurde der Anblick noch von ein paar Delfinen, die immer wieder ihre Flossen zeigten und in Ruhe ihren Tag starteten. So wie ich eben auch. Nach einem leckeren Frühstück mit Rührei fühlte ich mich stark genug für eine Partie Minigolf. Diese Stärke verlies mich schnell wieder und ich verlor wie immer gnadenlos gegen Martin. Zum Glück waren wir nicht zum Golfen hier hergekommen, sondern um mit Robben zu schwimmen. Mit kleinen Abstechern über die Sandy Bay und einem Lookout über die Bucht von Kaikoura, machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Während der Fahrt hielt Martin immer wieder Ausschau nach Delfinen. Gerne hätte er auch mal welche entdeckt, aber die nun wieder aufkommende Nebelglocke machte das unmöglich. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir schon, dass unser letztes Abenteuer in Neuseeland wohl nicht stattfinden wird. So war es dann leider auch. Die Gruppe vor uns hatte schon kein Erfolg mit den Robben und deshalb wurde unsere Tour gänzlich abgesagt. Schade, aber besser als hätten sie uns rausgeschickt und wir hätten nichts gesehen. Also zurück Richtung Christchurch. Gemächlich tuckerten wir wieder zurück über die Inlandsstraße, vorbei an vielen Baustellen und immer gefolgt von klarem blauen Himmel. Wir konnten es kaum fassen, als wir die Küste verlassen hatten, stach die Sonne so sehr ins Fenster, dass wir sogar die Klimaanlage anschalten mussten. Wieder einmal stellten wir fest, dass die Natur ihre eigenen Gesetze macht. Unseren letzten Abend ließen wir mit einer leckeren Suppe erhitzt von unserem Gaskocher und der Vernichtung unserer letzten Süßwaren ausklingen. Ein bisschen melancholisch putzten wir am nächsten Morgen unser „Black Sheep“. Mit einem kurzen Stopp an einem Strand und einer kleinen Partie Minigolf (ich brauch euch nicht sagen, wer gewonnen hat) verabschiedeten wir uns dann von diesem tollen Land.
Uns  bleibt nur zu sagen, „Auf ein sicheres WIEDERSEHEN du schönes Neuseeland!“
Jetzt sind wir, wie gesagt, bereits ein paar Tage in Sydney. Wir haben die Blue Mountains besucht und morgen geht`s weiter nach Melbourne, wo wir uns ein Auto mieten und die Great Ocean Road abfahren werden. Die Geschichten dazu kommen aber erst in unserem nächsten Beitrag… wir wollen euch schließlich nicht allzu neidisch machen. 😉
Viele Grüße von Martin und eurer Map.
Singapur verzaubert, Neuseeland raubt den Atem!

Singapur verzaubert, Neuseeland raubt den Atem!

Hallo ihr Lieben,
viel zu lange musstet ihr auf Neuigkeiten von uns warten. Mit neuer Energie melden wir uns zurück und lassen euch an unseren Erlebnissen in Singapur und Neuseeland teilhaben.
Fangen wir mit dem Rückblick auf Singapur an. Nach dem bereits im letzten Beitrag beschriebenen Einreisestress entschieden wir uns für einen entspannten Start und kauften ein 2-Tages-Ticket für eine Hop-on-and-off-Stadtrundfahrt. Da wir mittlerweile sehr auf indisches Essen abfahren, steigen wir natürlich im Stadtteil „Little India“ aus und lernen beim Mittagessen prompt den Einheimischen Edmund kennen. Als später noch sein witziger indischer Freund dazukommt ist unser Quartett perfekt und wir verquatschen uns über ne Stunde. Mit vielen netten Hinweisen zu den Sehenswürdigkeiten im Gepäck ging es zurück zum Hostel. Am Abend haben wir dann ein kleines, kostenloses Konzert an der Esplanade mit Blick auf die Lasershow des Marina Bay Sands Resort besucht. Es entstand eine tolle Atmosphäre.
Am nächsten Tag sind wir die restlichen Stationen der Stadtrundfahrt abgefahren und haben einen Stop im Botanischen Garten eingelegt. Tina wollte unbedingt in den Orchideengarten. Da der 5 Dollar extra gekostet hat und ich eh keine Lust auf 1 Million Blütenfotos hatte, bin ich draußen geblieben und hab einen Varan und eine indische Hochzeit im freien Teil des Gartens beobachtet. Beide zufrieden, machten wir uns auf den Weg zurück in die Innenstadt. Kurz vor unserer Endstation überraschte uns ein solcher Platzregen, dass wir es nicht einmal vom oberen Busdeck in das geschützte Innere geschafft haben. Unsere Regenponchos haben zwar das Schlimmste verhindert, aber wirklich trocken sind wir nicht geblieben. Der Regen hörte so schnell auf wie er begonnen hatte und wir konnten am Abend trockenen Fußes eine wunderschöne Flussfahrt genießen. Wir hatten großes Glück, da unser Boot direkt zum Höhepunkt der Lasershow vor dem Marina Bay Sands Resort anhielt und wir das Spektakel aus nächster Nähe verfolgen konnten. Einer der vielen Gänsehautmomente in Singapur.
Am Sonntag wollten wir uns nach dem ganzen Busfahren auch mal wieder selber bewegen und sind mit der U-Bahn (genannt MRT) raus zum MacRichie Reservoir gefahren. Ein schöner 12 km Rundweg um einen Stausee und durch Regenwald mit dem Highlight eines Treetopwalks über eine Hängebrücke sollte es werden. Auf der Hängebrücke lauerten uns 3 Affen auf. Sie stürzten sich auf die Reste unserer gerade verspeisten Äpfel. Sie vermuteten dann wohl noch mehr Essen bei Tina und deswegen ging einer der Affen sehr schnell auf sie zu. Damit war es vorbei. Tina traute sich nicht weiter und wir waren getrennt durch die Affen. Der Brückenwärter musste sie erst mit dem Stock vertreiben, bevor Tina im Eiltempo über die Brücke raste. Wir haben aber auch gemütliche Tiere gesehen. Vor allem eine sehr gut getarnte Landschildkröte und mehrere Wasserschildkröten. Alles in allem eine gute Abwechslung zum Stadtleben. Der Abend sollte aber noch viel schöner werden. Wir haben uns mit ein paar kalten Bierchen bewaffnet und sind zu den Supertrees im Marina Bay Garden spaziert. Auf dem Weg dort hin fanden wir eine tolle Hollywoodschaukel direkt zwischen den Wolkenkratzern am Ruffles Place. Den Zwischenstopp inklusive halsbrecherischem Fotoshooting auf der Schaukel haben wir sehr genossen. Beim Weiterlaufen zog plötzlich eine Straßenparade mit leuchtenden Wägen an uns vorbei. Den krönenden Abschluss des Tages bildeten die Supertrees. Wir lagen einfach da, schauten zum Himmel, tranken gemütlich was und waren wie verzaubert von dieser tollen Stadt.
Den letzten Tag in Singapur wollten wir dementsprechend noch voll ausnutzen und sind nochmal zum Marina Bay Sands Resort gelaufen. Diesmal haben wir die für Touristen zugängliche Aussichtsplattform besucht. Den Wolken zum Trotz haben wir uns dort oben einen Singapore Sling (berühmter Cocktail) mit einer Sicht über die Stadt genehmigt. Danach tranken wir einen Espresso* im Café des größten Supertrees wieder mit herausragender Aussicht und nahmen Abschied von dieser schönen Stadt. Singapur: Wir sehen uns definitiv wieder!

*Anmerkung Tina: „Fast so gut wie bei dir Fred 😉 “

 

So schön Asien und speziell Singapur auch waren, wir freuten uns riesig auf Neuseeland. Mit Zwischenstopp Melbourne, 4 sehr guten Flugmahlzeiten und nochmal 5 Stunden Zeitverschiebung mehr, kamen wir in Christchurch an. Ein letztes Taxi vom Flughafen zu Happy Campers und endlich saßen wir wieder selber am Steuer unseres „black sheep“. Nur eben auf der falschen Seite. Das Linksfahren macht uns eigentlich keine Probleme, aber auch die Scheibenwischer und der Blicker sind hier andersrum. Das hat nun schon des öfteren zu ungewollten Blink- oder Scheibenwischaktionen geführt. 😀
Es ist ein tolles Gefühl mit den eigen vier Wänden auf vier Rändern durch diese wunderschönen Landschaften zu reisen. Gleich am ersten Tag sind wir noch die knapp 2h in die Bucht von Akaroa gefahren und haben dort auf einer Parkbucht direkt am Meer übernachtet. Nachdem das Wetter nicht zum Kayakfahren geeignet war, entschieden wir uns für die faule Variante und fuhren eine Panoramastraße zurück Richtung Christchurch, um dann gen Süden zu fahren. Das Wetter wollte sich den ganzen Tag über nicht wirklich bessern und so haben wir kurzerhand einfach Kilometer gemacht. Ziemlich spät sind wir dann am Lake Tekapo angekommen. Um die Nacht dort zu verbringen, haben wir uns einfach auf den erst besten Parkplatz gestellt. Nicht die beste Idee, wie sich am nächsten Morgen rausstellte. Ein Ranger weckte uns 10 Minuten vor unserem Wecker und gab uns freundlich lächend einen Strafzettel über 200 Dollar. Ein sehr teures Lehrgeld und echt ärgerlich. Sei es drum, Tekapo war trotzdem toll. Wir haben eine schöne Wanderung zum Mount John gemacht und sind anschließend in den Tekapo Hot Pools Baden gegangen. 4 Pools von 28 bis 39 Grad Celcius. Wir haben die Zeit bis 21 Uhr voll ausgenutzt. Dadurch wurde die anschließende Campingplatzsuche leider wieder etwas anstrengend. Aber als wir dann endlich einen der kostenlosen Campingplätzen gefunden hatten, wurden wir mit einem sehr schönen Sternenhimmel belohnt. Da hier keine künstliche Lichtquelle in der Nähe war, konnten wir sogar die Milchstraße sehen.
Am nächsten Tag hieß es früh aufstehen, da wir 1h bis zum Mount Cook fahren und dann dort wandern wollten. Der Mount Cook ist mit 3.724 Metern der höchste Berg der Südinsel und er zeigte uns leider die ganz kalte Schulter. Regen, Nebel und 65 km/h Wind machten selbst eine Wanderung im Tal mit unserer Ausrüstung unmöglich. Also wieder zurück und weiter Kilometer in den Asphalt brennen. Da wir nicht wirklich eine genaue Route im Kopf hatten, mussten wir uns erstmal klarwerden, wo wir überhaupt hin wollten. Schlussendlich haben wir fast 500 km zurückgelegt. In Te Anau angekommen, haben wir (aus Mangel an Alternativen) einen teuren, aber dafür auch tollen Campingplatz besucht. Der hatte sogar ein Hüpfkissen …


Da wir für 8:45 Uhr schon eine Schifffahrt durch die Milford Sounds gebucht hatten, mussten wir schon wieder früh aufstehen. Die 2h Hinfahrt haben wir gut hinter uns gebracht und wurden mit einer sehr schönen Fahrt durch den Fjord belohnt. Das Wetter hat soweit mitgespielt, dass wir einen Regenbogen, Robben, Wasserfälle und das offene Meer vom oberen Deck aus bestaunen konnten. Zum Aufwärmen gab es Tee und Kaffee. Wir können diese Fahrt nur empfehlen und auch die Rückfahrt mit den diversen Aussichtspunkten war ein Erlebnis. An Te Anau vorbei, haben wir unser Nachtlager auf einem windigen Campingplatz in Lumsden aufgeschlagen und für Tina war das wie Kino. Sie hatte ihre helle Freude daran die anderen Mitcamper aus unseren abgedunkelten Scheiben zu beobachten. Die diversen Kämpfe mit den Zelten und einige Freundschaftsdramen boten eine gute Unterhaltung.
Der nächste Stop war Queenstown. Die Adrenalinhochburg lädt mit Bungy Jumps, Fallschirmsprüngen und Downhill-Mountainbiken zum Verweilen ein. Wir zwei bayerischen Beamten sind dafür natürlich zu schissrig und ließen es etwas gemächlicher angehen. Zwei Wanderungen inklusive Steintürmchenbau und der Skyline Luge (eine Art Sommerrodelbahn) sind es im Endeffekt geworden. Das Wetter hatte endlich richtig viel Sonne für uns parat und so wollten wir es noch einmal mit dem Mount Cook probieren. Auf dem Weg zur Talstation haben wir unseren ersten Tramper mitgenommen. Enis aus Schweden ist ein sehr gesprächiger Bursche. Er erzählte uns viel über die Nordinsel, die wir noch vor uns haben. Es sind viele Tramper in Neuseeland unterwegs. Und was noch erstaunlicher ist, viele Radfahrer. Mit vollem Gepäck (Zelt, Kleidung, Essen, Kocher, etc.) mühen sich die Radler durch Wind und Wetter. Da es keine wirklichen Radwege gibt, ist das nicht immer ganz ungefährlich und für uns nur schwer nachzuvollziehen. Aber wem es Spaß macht! Wer noch sehr oft anzutreffen ist, ist der deutsche Tourist. Fast die Hälfte aller Touris kommen hier aus Deutschland. Ganz schön komisch. Auf einmal versteht man überall die Gespräche. Deswegen haben auch wir im Mount Cook Village zwei Deutsche kennengelernt. Lena und Thomas sind ebenfalls als Tramper unterwegs und wir haben sie später ein Stück mitgenommen.
Da das Wetter beim zweiten Versuch am Mount Cook so fantastisch war, haben wir entschlossen gleich 2 Nächte zu bleiben und nach dem geplanten Hooker Valley Track (kurzer flacher Weg zum Hooker Lake) noch die Ganztageswanderung zur Mueller Hut (8h mit Pausen und über 1000 Höhenmetern) zu machen. Der Aufstieg mit über 1.600 Stufen und anschließenden Kletterpassagen war zwar schon atemraubend. Aber oben angekommen mit 360 Grad Ausblick auf den Mount Cook, den Mueller Gletscher und das Tal blieb uns endgültig die Luft weg. Ich konnte mich kaum trennen und war mir sicher, dass ich noch nie ein besseres Panorama gesehen hatte. Tina war ebenso begeistert und hat ein super Foto von einem Kea geschossen. Das ist die einzige alpine Papageienart der Welt und kommt nur hier in Neuseeland vor. Nach dem Abstieg packten wir Lena und Thomas ein und fuhren Richtung Wanaka. Kurzentschlossen gingen wir 4 noch im Gletschersee Baden. Das Wasser war so türkis, dass selbst die Kälte uns nicht davon abhalten konnte abzutauchen. Ein sehr schöner Tag.
Zum Leidwesen unserer Beine wurde uns in Wanaka keine Pause gegönnt. Das Wetter sollte nur noch bis Freitag so toll sein und zum Must Do zählte die 6h Wanderung zum Roys Peak. Also wieder rein in die Wanderschuhe und rauf den Berg. Ich war froh, dass es diesmal keine Stufen gab. Aber der ewige Zick-Zack-Weg forderte unsere müden Knochen ebenso. Ich hatte nicht erwartet nach dem Ausblick vom Vortag nochmals so überwältig sein zu können. Aber das Panorama das sich uns bot schaffte es wieder. Beim Abstieg trafen wir auf ein Pärchen aus Australien (Marco und Maddie), das wir schon am Mueller Hut Track zweimal getroffen hatten. Wir verabredeten uns zum Abendessen in Wanaka und verbrachten einen schönen Abend, mit einen noch schöneren Sonnenuntergang. Nun haben wir eine Einladung nach Melbourne, die wir ganz sicher annehmen werden. 🙂
Seit Samstag ist die Straße wieder unser bester Freund. Gerne hätten wir auf unserem Weg nach Norden eine Helikopter-Gletscherwanderung auf dem Franz Josef Gletscher gemacht. Das Wetter spielte nur leider nicht mit. Der Gletscher zeigte sich uns nur teilweise durch den dichten Nebel. Trotzdem ist es etwas ganz Besonderes bei 18 Grad durch den Regenwald zu spazieren mit Blick auf den Gletscher und gleichzeitig das Meer im Rücken zu spüren. Gibt es sowas überhaupt noch irgendwo anders auf der Welt?


Wegen der Regenglocke, die uns ein bisschen verfolgt, mussten wir unser eigentliches Ziel, den Abel Tasman Nationalpark verschieben. Wir sind deshalb heute morgen schon mit der Fähre von Picton nach Welligton auf die Nordinsel übergesetzt. Dank Eiswürfellutschen hat Tina die 3,5h-Fahrt ohne Übelkeit überstanden. Aber uns steht ja noch die Rückfahrt in 2 Wochen bevor. Wir hoffen auf unserem Rückweg nach Christchurch noch 3-4 sonnige Tage für den Abel Tasman und Kaikoura zu erwischen. Aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben.

Nun sind wir erstmal gespannt, was die Nordinsel für uns bereithält! Die Schönheit Neuseelands darf uns gerne weiter den Atem rauben 🙂
Eure zwei Weltenbummler

Malaysia – ohne Happy End!

Malaysia – ohne Happy End!

Hallo ihr lieben Leser, heute hört ihr alles Mal aus Tina’s Perspektive:

Von Kuala Lumpur ging’s mit dem Bus innerhalb von 2,5 Stunden in die Weltkulturerbestadt Melakka. Man könnte sie auch „Stadt der Moquitos“ nennen. Uns empfingen nämlich gleich im Hostelzimmer gefühlt 100 von den lästigen kleinen Blutsaugern 😉 Deswegen gingen wir lieber schnell raus um uns umzuschauen. Wir liefen durch die kleinen Gässchen, sahen bunte Häuser, noch viel buntere Rikschas und zogen vorbei am Dutch Square mit den bekannten roten Gebäuden. Später haben wir uns in einer Mall auch noch durch die komplette Süßwarenabteilung probiert. Es war teilweise sehr grenzwertig was wir da essen „durften“ ohne zu wissen was es ist. Am nächsten Tag verließen wir kurz das Stadtleben. Auf einer rasanten Autofahrt mit unserem Guide „Alias“ lernten wir gleich ein paar neue Dinge kennen. Erstens, wer braucht Bremsen, wenn er eine Hupe hat und zweitens, Tankstellen eignen sich sehr gut zur Stauumfahrung. Mit überraschend guten Mountainbikes ging es dann los. Erster Stop, die Kautschukplantage. Als Andenken an den „rubber“ haben wir uns einen eigenen Gummiball gemacht und den auch gleich auf der Straße ausprobiert 😉 Wir bekamen viel über die Flora und Fauna Malaysias erklärt und konnten uns mit reinem Palmöl direkt von der Pflanze eincremen. Mein Highlight kam ziemlich zum Schluss: frei herumtollende Brillenaffen, die über uns von einem Baum zum nächsten gesprungen sind. Toller Moment! Insgesamt war es mal richtig schön sich auf dem Fahrrad auszupowern. Mein Knie nahm das leider am Ende zu wörtlich und hat beim Absteigen nachgegeben. Um Martin’s Beschreibung zu wiederholen: „Tina hat sich die Kniescheibe aber fachmännisch selber wieder reingehauen!“ … Es müssen sich keine Sorgen gemacht werden. Es funktioniert alles wieder. Nur am nächsten Tag verlangte mein Bein nach ein bisschen Ruhe und es war der perfekte Zeitpunkt sich über unsere Zukunft in Neuseeland Gedanken zu machen. Wie es der Zufall so will, setzt sich Chris – aus!? natürlich aus  Neuseeland – zu uns. Perfekt. Wir löcherten ihn mit Fragen und er beantwortete alles und noch viel mehr mit vollem Enthusiasmus für sein Land. Den restlichen Tag sind wir dann trotzdem noch durch das Städtchen geschlichen und haben uns von einem Grafitti-Straßenkünstler unser persönliches Bild sprayen lassen. Abends kam zum Neuseeländer Chris, Carlos aus Karlsruhe und Kesia aus Polen dazu. Mit diesem Multikultimix hatten wir dann noch einen netten Abend. Trotzdem stellten wir irgendwie fest, dass die Begegnungen mit den Leuten Malaysia besonders macht, aber das Land bisher nicht unser Herz gewinnen kann.

Vielleicht schafft es ja die Insel Langkawi uns zu überzeugen, dachten wir. Sonne, Strand und Meer. Das kann doch nur so schön sein wie Koh Chang.  Leider müssen wir auch diese Frage mit Nein beantworten. Wir hatten hier ein paar wunderbare Tage mit tollen Wasserfällen (inklusive Wildwasserrutsche), leckerem indischen Essen und traumhaften Sonnenuntergängen, aber im Großen und Ganzen blieb die Insel hinter unseren Erwartungen zurück. Leider gibt es auf Langkawi ein großes Müll- und Abwasserproblem. An wirklich jedem Strand läuft das Abwasser in dicken Rinnen direkt ins mehr. Wir waren deswegen auch nur einmal im Meer bis wir die Brühe entdeckt hatten. Der Müll wird hier auch so behandelt, dass man alle paar Kilometer durch eine Gestankwolke fährt. Uns bleibt die Insel deshalb auch als „Stinkeinsel“ in Erinnerung. Auch die vielen Baustellen hinterließen keinen schönen Eindruck. Langkawi befindet sich eben erst noch im Aufbau und vllt. bekommen sie ihre Probleme in den Griff. Dann wäre die Insel wieder einen Besuch wert.

Nach fünf Tagen ging es mit der Fähre, die wir nur sehr sehr knapp erreicht haben, weiter aufs Festland und dann sechs Stunden mit einem quietschenden Bus nach Ipoh. Dort begrüßten uns die „Marktschreier“ und wollten uns lauthals genau ihren Bus in die Cameron Highlands schmackhaft machen. Wir haben uns für irgendeinen entschieden, der natürlich pünktlich eine Stunde zu spät losgefahren ist 😉 Martin verschläft, wie üblich, die kurvige Busfahrt ins Hochland. Ich darf hingegen einen tollen Blick über die grüne weite Hügellandschaft mit untergehender Sonne genießen. Die Temperaturen sinken und wir behalten ausnahmsweise unsere Jacken beim Aussteigen an. Leider brauchen wir am nächsten Morgen noch mehr zum Anziehen, da es sehr kalt ist und Regen vorhergesagt wird. Zusammen im Jeep mit einer französischen Familie, einer Kanadierin und einer Norwegerin begeben wir uns in Richtung der Teeplantagen. Schon nach ein paar Metern sehen wir die dicke Wolkendecke, die über den Feldern hängt. Man kann es sich schön reden und die nicht vorhandene Aussicht als besonderen „Atmosphere“ bezeichnen. Nach dem Besuch einer traditionellen Teefabrik, bei der ich aus Versehen *kalten* Eistee bestellt habe, ging es zu einem Aussichtsturm malaischer Art. Oben angekommen wackelte es ein bisschen und der Wind blies uns mächtig um die Ohren und wir sahen nichts… wirklich nichts, außer einer weißen Nebelwand. Danach gingen wir durch den sog. „Mossy Forest“. Wie der Name schon sagt, gibt es dort viel Moos und unser Guide gab uns kurz ein paar Infos zu den verschiedenen Pflanzen und den Besonderheiten in dem Wald. Am Rückweg ließen wir uns bei einer der vielen Erdbeerfarmen rausschmeißen, um Martin endlich seine Erdbeermilch zu gönnen. Gestärkt von chinesischem Essen, stapften wir im Regen zurück ins Hostel. Dank dem schlechten Wetter konnten wir ohne schlechtes Gewissen einen faulen Nachmittag im Bett verbringen. Reisen kann ja so anstrengend sein ^^

Gut ausgeschlafen, wollten wir uns gerade auf den Weg zum Frühstück und Bus machen, als wir ein Schweizer Pärchen diskutieren hören,  ob und wie man von hier am besten zu den Perhentian Islands kommt, wenn doch alles geschlossen ist. Wir erklärten ihnen kurz unseren Plan dort hinzukommen und sagten zum Spaß, dass wir uns dann auf der Insel wiedersehen. Martin und ich verbrachten dann eine lange Nacht am Flughaften von Kuala Lumpur und starteten in der Früh um halb sieben voller Hoffnung auf eine Trauminsel Richtung Kota Bharu. Vom Flughafen ging’s mim Taxi weiter nach Kuala Besut, um dort in einem Reisebüro schnell unsere vorbestellten Fährtickets abzuholen. Mit einem Lächeln im Gesicht teilt uns die Dame dort leider mit, dass momentan wegen den hohen Wellen kein Boot zu den Perhentian Islands fährt. Wir konnten es nicht fassen und mussten uns erst sammeln. Es gab zwei Möglichkeiten: Sofort canceln oder abwarten. Für uns war klar eine Nacht zu warten, kein Problem. Abends trafen wir nochmal die Schweizer aus den Cameron Highlands und wir tranken ein Bier auf unsere „erfolgreiche“ Urlaubsplanung. Am nächsten Tag blies noch mehr der Wind und es fuhr natürlich immer noch kein Boot. Ich, als positiver Mensch, überredete Martin noch ein paar Nächte zu warten, in der Hoffnung, dass irgendwann doch noch ein Boot fährt. Nur wohin, in einem Nest wo es wirklich nichts Schönes gibt? „Beach Resort“ klang sehr gut für uns und deswegen saßen wir die nächsten zwei Tage fast alleine in einem Hotel mit schlechten, gelangweiltem Personal, nur um jeden Morgen die Nachricht zu bekommen: „Sorry, no boat today.“. Den Valentinstag verbrachten wir ganz „romantisch“ in einem malaiischen Restaurant (Angestellte ohne Englischkenntnisse) mit vorbeiziehenden Ziegen und Kühen. Zum Dessert gabs lecker Schokoeis aus dem fast ausverkauften Mini-Supermarkt.

Am 16.02.2017 (als selbst ich nicht mehr damit rechnete) bekamen wir die Nachricht, dass wir tatsächlich auf die Insel fahren können. Ich freute mich so sehr und zur Krönung bekamen wir fürs lange Durchhalten noch eine Nacht geschenkt! Die sehr schaukelige Überfahrt überstanden wir ohne Probleme und durften unser Gepäck zur Einstimmung auf das Iselfeeling das letzte Stück durchs Meer an den Strand tragen. Bei unserer Ankunft waren die Perhentian Islands noch nicht ganz aus ihrem Monsun-schlaf erwacht und täglich merkten wir Veränderungen, zum Beispiel ging der Steg vom Boot bei unserer Rückkehr schon bis zum Strand.  Sofort schmissen wir uns in Badeklamotten und schnorchelten beim Hausriff. Interessiert wurden wir von kleinen Fischen umzingelt und konnten eine Vielfalt von Korallen in bunten Farben im warmen Wasser bestaunen. Am darauf folgenden Tag fühlten wir uns fit genug um eine kleine Dschungelwanderung zu einem anderen Strand zu machen. Leider konnten wir schon den Einstieg nicht finden und entschieden uns daher zu bleiben wo wir sind und zu schnorcheln. Wieder erwartete uns eine tolle Unterwasserwelt und leider am Strand eine harte Rückkehr in die Realität. Ein junger Fischer, den wir vorher nach dem Weg gefragt hatten, hat unsere zwei Handys aus dem Rucksack geklaut. Leider konnten wir es ihm nicht konkret nachweisen, auch wenn er der Einzige an unserem Strandabschnitt war. Wir setzten alles in Bewegung um die Handys zurückzubekommen, aber kein Hotelpersonal was mit dem Fischer sprach, kein Geld, keine Fahrt ans Festland halfen irgendetwas. Wir waren so deprimiert. Einerseits mussten wir uns eingestehen fahrlässig und gutgläubig gewesen zu sein, andererseits spürten wir wieder einmal die Unfähigkeit der Malaiien. Erst versteht uns keiner in unserem Resort, dann ist kein Polizist da, es ist schließlich Bettag, und dann bekommt man gesagt, dass „ja nur zwei Handys fehlen“ und dass dies öfter vor kommt. Man sollte bei den Einheimischen, vor allem den Fischern, aufpassen. Danke für den Hinweis 2 Stunden zu spät! Immer wieder schwierte uns der Ablauf des Tages im Kopf herum und konnte uns auch die nächsten Tage nicht ganz loslassen. Aber auf der Insel, ohne wirkliches Internet, konnten wir eh nichts machen und wir mussten die Geschichte als teures Lehrgeld abhaken. Zur Krönung erkältete ich mich noch und wir fühlten uns endgültig verarscht von der Welt. Aber die Natur gab die letzten Tage ihr Bestes sich mit uns versöhnlich zu stimmen… Bei einer kleinen Erkundungstour sahen wir wieder meine „Lieblingsaffen“, diesmal sogar mit Babys. Und an unserem letzten Tag hatte sich das Meer so beruhigt, dass wir einen Schnorchelausflug mit dem Boot machen konnten. Auch wenn das Boot am Anfang noch streikte, so war es doch ein wirklich toller Ausflug und wir bekamen zum Ende hin sogar noch eine riesige Wasserschildkröte zu Gesicht. Die Insel hatte sich wieder in unser Herz gemogelt.

Nach dem Verlassen der Insel, verbrachten wir gefühlt zwei Tage mit Busfahren. Erst von Kuala Besut nach Kota Bharu. Von dort um acht abends in den ersten Bus in Richtung Singapur. Irgendwo vor Singapur wurden wir einfach aus dem einen Bus „geschmissen“, uns zwei Tickets in die Hand gedrückt und wir fanden uns in einem normalen Linienbus wieder. In den sog. „Woodlands“ wieder raus, zu Fuß Stempel zur Ausreise Malaysias abgeholt, in den nächsten Bus. Fluss überquert, um wieder auszusteigen und die Einreise nach Singapur per pedes klarzumachen. Dort ewig auf den nächsten Bus gewartet, um endlich in der Stadt Singapur anzukommen. Aber wir beide waren so froh, Malaysia hinter uns zu haben! Singapur gefällt uns super. Das Hostel mit Dachterrasse und Blick auf die Marina Bay Sands sind abends noch das I-Tüpfelchen und natürlich, dass wir endlich wieder mobil unterwegs sind. Ganz nach dem Motto „sharing is caring“ teilen Maddin und ich jetzt ein Handy! Süß oder?

In diesem Sinne… immer schön auf eure Sachen aufpassen und trotzdem entdeckungslustig bleiben!

Martin & Tina

P.S. Das beste zum Schluss – unsere noch übrigen Fotos! Leider gibt es nicht mehr all zu viele, da wir kein Backup gemacht hatten 🙁