„Jeden Tag in einer andern Stadt…

„Jeden Tag in einer andern Stadt…

… jeden Tag was Neues sehn und auf der Bühne stehn.“ So heißt es in einem Lied der Band Truckstop (meine erste Lieblingsband). Als meine Familie zu Besuch war und wir alle zusammen im Camper durch den wilden Westen der USA fuhren, war Truckstop unser ständiger Begleiter. Das Lied passte einfach zu unserem straffen Plan, der uns täglich woanders hin verschlug. Dass wir Cowboys und Cowgirls es sogar auf eine Bühne schaffen würden, hatten wir aber natürlich nicht gedacht.

Allein über die 3 Wochen könnte ich womöglich ein Buch schreiben. Um euch nicht mit unendlich vielen Insidern zu quälen und wieder auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen, versuche ich mich diesmal eher kurz zu halten. Angefangen hat unsere gemeinsame Familienzeit ja bekanntlich in San Francisco. Die Stadt riss uns alle nicht wirklich vom Hocker. Zu kalt, zu neblig, zu windig, zu dreckig, zu viele Obdachlose beschreibt sie in meinen Augen ausreichend. Ein Highlight hatte die Stadt jedoch zu bieten, die Golden Gate Bridge. Wir sind mit dem Fahrrad über die Brücke bis nach Sausalito gefahren. Das kann ich jedem nur empfehlen und auch die Fährfahrt zurück, vorbei an Alcatraz, würde ich wieder machen. Von SF aus ging es mit dem Camper weiter. Im Napa Valley haben wir uns auf dem Weingut … eine Weinprobe mit mehrfach ausgezeichneten Weinen gegönnt und gleich ein bisschen Proviant für die nächsten Tage mitgenommen. 🙂 Am Lake Tahoe machten wir unseren nächsten Stopp. Dort hat uns die Wanderung von den Eagle Falls zum Eagle Lake gut gefallen und die Hundis haben den Auslauf auch genossen. Noch mehr gewandert sind wir anschließend im Yosemite Nationalpark. 2 Tageswanderungen haben wir dort unternommen. Die erste um den Mirror Lake, wobei wir ein ganzes Stück durch eiskaltes Wasser waten mussten. Das Wasser war zwar nur knöchelhoch, aber so kalt, dass wir alle 10 Meter Schutz auf einem Stein oder Baumstamm suchen mussten. Das war schon eine besondere Erfahrung und hat uns trotz Schmerzen Spaß gemacht. Am zweiten Tag stand eine Wasserfalltour auf dem Programm. Bevor es jedoch losgehen konnte, mussten wir uns erst noch mit Regencapes versorgen und so ging ein Teil der Gruppe ins Visitor Centre um diese zu kaufen. Ich wartete draußen, checkte Emails und als ich mich umdrehte stand plötzlich ein bekanntes Gesicht vor mir. Haring (ein Studienfreund von Tina und mir) und seine Eltern waren ebenfalls auf ner Tour durch die USA und er war mindestens genauso überrascht wie ich. Wie klein die Welt doch ist! Wie viele Faktoren bei diesem ungewöhnlichen Wiedersehen zusammen gekommen sind, ist mir immer noch unbegreiflich. Die Freude war auf jeden Fall groß und der Tag wurde mit der Wanderung zu den Wasserfällen bzw. durch diese hindurch zu einem meiner Highlights der Reise. Auf unserem Weg nach LA besuchten wir noch den Kings Canyon NP mit dem „General Grant Tree“, dem drittgrößten Baum der Welt (gemessen am Volumen). In LA selbst verbrachten wir 3 Tage. Gleich am ersten Tag besuchten wir die Universal Studios Hollywood. Wer schon einmal da war, dem erzähle ich nichts Neues, wenn ich sage, dass der Park nichts für Achterbahn-Junkies ist. Die Fahrgeschäfte sind eher auf visuelle Effekte ausgelegt und auch für den nicht so starken Magen geeignet. Das fand ich zwar ein bisschen schade, aber ich war im Endeffekt nicht enttäuscht, denn das Drumherum ist einfach super gewesen. Tina und ich freuten uns wie die Kleinkinder über das neu eröffnete Hogwarts-Schloss (Omi das ist das Schloss von Harry Potter). Das Allerbeste geschah jedoch ganz zum Schluss. Wir wollten eine Show über Spezialeffekte anschauen und waren schon einige Zeit vor Einlass dort. Da kam ein Moderator der Show auf unsere Gruppe zu und nach sehr kurzem Smalltalk waren wir auf dem Weg hinter die Bühne. Das ging alles so schnell, dass nicht viel Zeit blieb um uns abzusprechen. Ich habe einfach sofort ja gesagt als er fragte, ob wir bei der Show mitmachen wollen. So kam es also, dass wir tatsächlich (getreu dem Lied von Truckstop) in LA auf der Bühne standen. Meine Familie musste eine Filmszene nachsynchronisieren. Und zwar mit Alltagsgegenständen und nach nur einer sehr kurzen Einweisung. Sie haben das super hinbekommen und sich ihren verdienten Applaus abgeholt.

Tina und ich waren das Finale der Show. Sie durfte mich als Astronaut durch das Studio fliegen lassen, aber seht selbst…

Genau das war gar nicht ich ^^

Ich wurde einfach ausgetauscht und saß die ganze Zeit gemütlich hinter der Bühne. Ich, der so einfach ja gesagt hat, hatte also den leichtesten Job. Im Nachhinein waren aber alle glücklich, dass wir es gemacht haben. Das kann uns keiner mehr nehmen.

Einen Tag mussten wir natürlich auch Shoppen gehen. Tina und ich kauften glaube ich mehr als der Rest der Familie. Wir kleideten uns komplett neu ein, nur um die Sachen dann meinen Eltern mit nach Hause zu schicken. Hoffentlich passen wir in 3 Monaten noch in die neuen Jeans. ^^

Eine 8-stündige deutschsprachige Stadtrundfahrt und ein halber Tag am Venice Beach, wo Tina und ich Tandem fuhren und ich die Muskeln am Muscle Beach spielen ließ, rundeten die Tage in LA ab. Im Vergleich zu SF hat die Stadt nicht nur aufgrund des wärmeren Wetters einen viel besseren Eindruck auf uns hinterlassen. Endstation unserer Campingreise war Las Vegas. Da wir meine Familie aber nicht nach Deutschland zurückschicken konnten ohne den Grand Canyon gesehen zu haben, fuhren wir fast 2 Tage durch. Einen kurzen Zwischenstopp haben wir uns nur im Joshua Tree NP gegönnt. Wir wären gerne über Nacht dort geblieben, aber die Zeit reichte leider nicht aus. Der Grand Canyon war die Mühe auf jeden Fall wert. Das muss man mal gesehen haben.

In Las Vegas selbst konnten wir uns auch keine Pause gönnen. Die Stadt der Superlative hat einfach zu viel zu bieten. Wir flogen nachts mit dem Helikopter über den Strip, machten wieder eine deutschsprachige Stadtrundfahrt, schauten uns fast alle großen Hotels an, gingen abends durch die Fremont Street Experience, spielten am einarmigen Banditen und besuchten zum Abschluss eine Cirque de Soleil Show. Nach 3 Tagen Las Vegas und 3 Wochen USA vollgepackt mit unendlich vielen neuen Eindrücken verließen uns die Jakobs wieder in Richtung Deutschland. Tina und ich waren mit Las Vegas aber noch nicht durch. Wir hatten eh noch keinen Plan für die nächsten Wochen und da kam uns das Angebot vom Mandalay Bay gerade recht. Im 5-Sterne-Resort, das an das Motto Karibik angelehnt ist, wollten wir einfach 2 Tage abspannen und Pläne schmieden. Das Planen hat auch ganz gut funktioniert. Nur mit der Entspannung hat es nicht so richtig geklappt. Der Poolbereich (eigentlich Highlight des Hotels) war eine einzige Enttäuschung. Keine Liegen im Schatten, Sonnenschirme nur gegen Bezahlung, Massen an Leuten und dann sperren die auch noch die Hälfte des größten Beckens wegen den künstlichen Wellen. Naja dann haben wir uns halt lieber doch noch eine Show (The Mentalist) angeschaut und sind in die Titanic-Ausstellung im Luxor-Hotel gegangen. Weil uns der Sinn nach deutschem Essen stand sind wir kurzer Hand ins Hofbräuhaus von Las Vegas. Tina war so glücklich über ihren Wurstsalat mit Brezn und für mich war das Weißbier eine Geschmacksexplosion. Leider vermissen wir jetzt die schönen Münchener Biergärten um so mehr. Zum Abschluss waren wir noch auf der Achterbahn im New York New York. Die war mal wirklich gut mit Looping, Bauchkribbeln ohne Ende und Tinas Schreianfall. 😉

Seitdem sind wir nun wieder auf den Straßen unterwegs. Wir haben den Camper gegen ein etwas kleineren Ford Fiesta eingetauscht und sind erstmal Richtung Nationalparks gedüst. Im Zion NP haben wir 2 Tage verbracht. Dort haben wir uns Wasserwanderschuhe ausgeliehen und sind durch den Virgin River in einer engen Felsenschlucht, den sog. „Narrows,“ gewandert. Das war schön, aber noch viel besser war der Bryce Canyon NP. Dort sind wir extra um 4 Uhr früh aufgestanden und wurden mit einem tollen Sonnenaufgang belohnt. Danach sind wir noch durch den Canyon gewandert und an den abfallenden Klippen oben wieder zurück zum Auto. Bei der knapp 7-stündigen Wanderung haben wir den Canyon aus so viel verschieden Perspektiven gesehen und waren immer wieder neu begeistert. Was für ein Naturspektakel. Normal hätten wir es dann gut sein lassen und wären zurück ins Motel gefahren. Zum Glück haben wir jedoch von dem an diesem Wochenende stattfindenden Astronomiefestival erfahren. Also hieß es doch noch bis 22 Uhr im Nationalpark bleiben und sich die Sterne mal genauer anschauen. Wir wurden mit dem Bus extra in einen Teil des NP gefahren, der von umliegenden Lichtquellen nicht beleuchtet wird. Dort waren 14 Hobbyastronomen mit ihren Teleskopen und zeigten uns Jupiter, Saturn, einen vor tausenden Jahren explodierten Stern und noch vieles mehr. Leider wurde unsere Sicht auf die Milchstraße etwas getrübt, weil der Rauch eines großen Flächenbrandes in der Nähe sich bis hier her ausbreitete.

Allgemein herrscht momentan eine Mörderhitze im mittleren Westen der USA. Die Temperaturen stellen neue Rekorde auf und es ist schon sehr anstrengend bei über 40 Grad im Schatten zu wandern. Nichts desto trotz ging es für uns weiter durch die Wüste nach Page. Die Stadt an sich hat keinen großen Unterhaltungswert. Außen herum gibt es dafür einiges zu sehen. Wir waren am Horseshoe Bend, wo der Colorado River einen Bogen wie ein Hufeisen macht, haben den unteren Antelope Canyon besucht und sind im Lake Powell baden gegangen. Anschließend sind wir ins Monument Valley gefahren und haben dort eine Nacht auf einem Zeltplatz im Auto geschlafen. Der ungestörte Blick auf die roten Felsformationen hat uns super gefallen. Vor allem zu Sonnenaufgang und -untergang können wir diesen Ort nur empfehlen.

Die letzten 3 Tage waren wir dann in den beiden Teilen des Canyonlands NP und im Arches Nationalpark unterwegs. Leider hat uns der ständige Wechsel von Heiß und Kalt (wegen der Klimaanlagen) eine fiese Erkältung angehängt. Wir haben deswegen nur kleinere Wanderungen gemacht und konnten diese nicht ganz so auskosten wie gewünscht. Das ist zwar Jammern auf hohem Niveau, trotzdem schade. Jetzt sind wir einfach mal 2 Tage hier in Grand Junction in der Mitte von Nirgendwo, um uns auszukurieren und mit neuen Kräften in die Rocky Mountains zu starten. Um ehrlich zu sein, freuen wir uns jetzt auch drauf das rote Gestein der Wüste hinter uns zu lassen und wieder richtige Gebirge zu bewandern.

So jetzt seid ihr wieder up to date. Weil es einige von euch zu interessieren scheint, will ich euch auch gleich mal einen Ausblick auf die nächsten Wochen und Monate geben. Zunächst werden wir in Denver den 4. Juli (Independence Day) mit den Amis feiern. Mal sehen ob die mit unserem Tag der Deutschen Einheit mithalten können. ^^ Dann stehen noch die Ziele Rocky Mountains NP, Mount Rushmore und Yellowstone NP an bis wir am 16.07. wieder nach Vancouver rüber machen. Da haben wir bis 03.08. Zeit die Nationalparks Banff und Jasper in den kanadischen Rockies abzuwandern. Nach dieser ganzen Natur lassen wir anschließend mehrere Städtetrips folgen. Toronto, Montreal, New York und Washington DC werden wir für je 4 bis 7 Tage bereisen und uns zum Abschluss noch 4 Wochen in Kolumbien von diesem ganzen Stress erholen. Jetzt wisst ihr Bescheid und ich bin am Ende meiner Worte.

 

Macht es gut und bis bald

Eure Weltenbummler

 


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