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Tag: 4. April 2017

Grün, Grüner, Nordinsel

Grün, Grüner, Nordinsel

Wow! Fast 6.500 km haben wir in unseren 32 Tagen Neuseeland zurückgelegt. Unser „Black Sheep“ (Toyota Granvia) ist uns in der Zeit sehr ans Herz gewachsen und so waren wir etwas traurig unsere lieb gewonnen vier Wände in Christchurch hinter uns lassen zu müssen. Mittlerweile sind wir nämlich schon in Sydney und haben das Campingleben wieder gegen das Hostelleben eingetauscht. Da wir euch aber noch den Bericht von der Nordinsel schuldig sind, erzähl ich euch einmal, wie die vielen Kilometer zusammengekommen sind…
In Wellington empfing uns ein rauer Wind, Regen und ein Parkplatzdesaster. Ich weiß nicht wie lange wir durch irgendwelche Einbandstraßen gefahren sind, um endlich einen geeigneten Standort für unser Gefährt zu finden. Schlappe 4 $ die Stunde durften wir für den hart erkämpften Parkplatz in den Automaten schmeißen. Zu meiner Nervenberuhigung gab’s dann erstmal ein leckeres indisches Essen und für Martin Sushi in einem sehr schnuckeligen Food Court. Nach einem kurzen Wettercheck, haben wir uns schnell darauf geeinigt, dass wir als nächstes das sog. Tongariro Crossing machen wollen. Diese alpine Tageswanderung gehört zu den Hauptattraktionen des Landes und nicht wenige behaupten, es sei die schönste Tagestour der Welt. Deswegen hielten wir uns nicht lange in der Hauptstadt auf und fuhren in Richtung Tongariro Nationalpark. In der Touristeninformation haben wir ein Shuttle für den nächsten Tag gebucht, dass uns um 07 Uhr morgens vom Parkplatz am Endpunkt zum Startpunkt der Route bringen sollte. Gesagt, getan. Pünktlich um 05:50 Uhr standen wir auf einem kleinen Parkplatz im Tongariro Nationalpark und warteten auf den Bus. Ihr fragt euch warum wir dort so früh waren!? Ganz einfach, weil viele Touristen auf das gute Wetter für die Wanderung gewartet haben und es nur sehr begrenzt Parkmöglichkeiten gibt. Die Dame von der Touristeninfo hatte uns schon vorgewarnt und mehrmals betont früh dort zu sein. Sie sollte auch Recht behalten, denn gefühlt nach 30 Minuten stand wirklich jeder kleine Fleck mit Autos voll. Insgesamt kam man sich bei der Wanderung eher so vor als hätte man eine Pilgerfahrt gebucht. Immer lief jemand vor einem oder wollte hinter einem vorbei. Den ersten Teil des Weges war ich wirklich genervt und habe mich gefragt was das heute noch werden soll. Nach den sog. „Teufelsstufen“ konnte man einfach den Weg weiter gehen oder den aus „Herr der Ringe“ bekannten „Schicksalsberg“ / „Mount Doom“ besteigen, was einen Umweg von 3 Stunden bedeutete. Klar scheuten wir die Herausforderung nicht und wollten mal in einen Vulkankrater schauen. Ich kann euch sagen, dass es die dümmste Entscheidung auf unserer bisherigen Reise war. Da hoch gibt es natürlich keinen offiziellen Weg und so bewegten wir uns auf unbefestigten Geröllmassen steil nach oben. Ständig in der Angst von einem losgetretenen Stein der Vordermänner getroffen zu werden oder selbst etwas loszutreten, macht das einfach keinen Spaß. Am Ende wurde es dann nochmal so richtig hart als uns der Wind mit 50 km/h um die Ohren blies. Oben angekommen blickten wir in ein graues unspektakuläres Gesteinsloch und machten uns ziemlich enttäuscht sofort auf den Rückweg. Der Abstieg war etwas einfacher, da man sich über das Geröll nach unten gleiten lassen konnte. Trotzdem wollte ich jedem der uns entgegen kam am liebsten zuschreien: „Dreht einfach wieder um und nehmt für dieses graue Loch nicht diesen besch… Weg in Kauf!!!“ Auf der restlichen Strecke kam man sich ein bisschen wie auf einer Erkundungstour eines fremden Planeten vor. Schwefelgeruch hing in der Luft und zwischen karger Landschaft tauchten plötzlich türkisblaue Seen auf und sogar der „Mount Doom“ zeigte sich aus einer anderen Perspektive von seiner schönen Seite. Aus verschieden Ecken dampfte es aus der Erde und Martin stellte fest, dass wir wirklich auf einer kleinen Herdplatte leben 😉 Je näher man dem Ende kam umso grüner wurde es und zum Abschluss ging es durch einen kleinen Regenwald mit Wasserfall. Nach 9 Stunden war der Abstecher in eine andere Welt beendet und ich lag fix und fertig im Camper! An dem ganzen Tag wollte sich leider das entspannte Wandergefühl, wie wir es auf der Südinsel gespürt haben, wegen der Menschenmassen nicht bei uns einstellen. Wenn man aber die Bilder dazu betrachtet, kann man die Faszination für diesen einzigartigen Wanderweg trotzdem gut verstehen.
Bei unserer anschließenden Fahrt nach Waitomo tauchten wir wieder in eine völlig neue Welt ein. Wir waren auf einmal umgeben von lauter saftig grünen Hügeln, die als Weideland für Schafe und Kühe dienen. So weit das Auge reicht war es schön grün und wir konnten diese Naturveränderung nicht wirklich glauben. Für uns macht dies auch einen großen Teil der Faszination Neuseeland aus. Man sitzt im Auto fährt gemütlich von A nach B und fühlt sich wie in mitten seiner eigenen Naturdokumentation. Wir würden es jederzeit wieder mit dem Camper so machen.
In Waitomo wurde meinem Körper keine Pause gegönnt sondern wir seilten uns 27 Meter in eine Höhle ab. Dort angekommen wateten wir einen kleinen Fluss entlang, um uns später mit großen Reifen von der Strömung treiben zu lassen und uns mit unseren Neoprenanzügen durch enge Gesteinsspalten zu quetschen. Als Höhepunkt machten wir auf einer kleinen Sandbank im Inneren Halt. Wir saßen im Dunkeln, hörten nur den Fluss und konnten Millionen von Glühwürmchen über unseren Köpfen bewundern. Ein toller Moment! Zum Schluss durften wir dann die 27 Meter wieder selber raufklettern und konnten endlich wieder die Wärme der Sonne spüren.
Weiter ging es vorbei an Auckland nach Whangarei. Geplant hatten wir dort eigentlich noch nichts. In der Touristeninfo mussten wir aber gleich wieder feststellen, was Neuseeland noch alles zu bieten hat! Deswegen hieß es richtig früh aufstehen (3:30 Uhr) und im Dunkeln auf den Mount Manaia wandern. Wir genossen dort einen traumhaften Sonnenaufgang in einer märchenhaften Kulisse. Für Martin und mich war das ein besonderer Moment auf unserer gemeinsamen Reise, da wir beide noch nie so bewusst einen Sonnenaufgang erlebt hatten. Sehr gut gelaunt, machten wir noch einen entspannten Spaziergang zur sog. Smuggler-Bay. Zum ersten Mal in Neuseeland schmissen wir uns ins Meer und durften gleich die Kraft der Wellen spüren.
In diesem Sinne bestiegen wir am Tag darauf ein Boot im kleinen Hafen von Tutukaka. Wir wollten schließlich noch die andere Seite von Neuseeland sehen, nämlich die Unterwasserwelt. Bei der Inselgruppe die „Poor Knights“ hielten wir an zwei verschiedenen Tauchplätzen. Im Vergleich zu Thailand war bei unseren Tauchgängen hier alles etwas anders… Zu Beginn mussten wir uns in dicke Ganzkörper-Neoprenanzüge zwängen (was ich gleich mal falsch rum machte und deswegen zweimal das Vergnügen hatte. Haha.). Dann tauchten wir zum ersten Mal in Kaltwasser und das Seegras, was uns unter der Oberfläche empfing war ungewohnt. Trotzdem konnten wir wieder viele schöne bunte Fische und Korallen beobachten. Zudem hatten wir zwei wirklich witzige Tauchguides dabei. Der eine spielte sogar eine Szene aus Harry Potter vor und flog auf seinem Besen (=Seegras) unter Wasser durch die Gegend. 😉 Am Ende des ersten Tauchgang durfte ich sogar einen Stachelrochen sehen. Martin hat das elegante Tier leider verpasst.
Natürlich müssen wir auch zugeben, dass es auf der Reise solche Tag gibt und auch mal andere. Diesen anderen Tag erlebte Martin am Tag darauf. Nach dem Aufstehen tritt er in Entenkot, beim Versuch eine Höhle auf eigene Faust zu erkunden stürzt er, sein Onlinebankingaccount wird grundlos gesperrt und schlussendlich kommen wir so spät auf der Halbinsel „Coromandel“ an, dass wir zu der Cathedral Cove joggen müssen, um noch ein bisschen was zu sehen. Zum Glück sind solche Tage sehr sehr selten und zumindest einer von uns kann sich darüber meist amüsieren… im oberen Fall ich, da alles wirklich nicht so schlimm war 😉 Zum Ärgern bleibt eh keine Zeit, da schon wieder der nächste schöne Programmpunkt am Plan steht. White Water Rafting auf dem Kaituna River bei Rotarua. Nach einer kurzen Einweisung schlängelten wir uns den Fluss entlang und durften sogar ein kleines Bad bei einer kreisförmigen Strömung nehmen. Der Höhepunkt aber war das Befahren des höchsten kommerziell befahrbaren Wasserfalls der Welt. Unser voll besetztes Boot mit acht Mann stürzte den 7 Meter hohen Okere Wasserfall runter. Man bekommt vom Wasserfall an sich nicht wirklich was mit, aber zumindest haben wir jetzt einen Eindruck wie sich unsere Wäsche im Schleudergang fühlen muss. Wir überschlugen uns und wurden einmal kräftig durchgespült. Am Ende saß aber jeder wieder strahlend und wohl behalten im Boot. Zur Entspannung nach so einer wilden Fahrt suchten wir uns einen gemütlichen Campingplatz an einem See. Den verließen wir am nächsten Tag wieder, um ein paar Naturschauspiele zu bewundern und sogar selbst zu spüren. In der Nähe von Rotarua schauten wir uns einen großen speienden Geysir und brodelnde Matschlöcher an. Martins Theorie, dass wir auf einer Herdplatte leben wurde wieder mal deutlich sichtbar ;-). Zum Abschluss unserer kleinen Rundfahrt machten wir Halt an einer kleinen Flussgabelung. Dort fließen eine kalte und eine heiße Strömung zusammen. Man konnte für sich selbst entscheiden, welche Temperatur einem am besten gefiel oder zwischen heiß und kalt hin und her wechseln. Ein bisschen fühlten wir uns wie bei einem Saunagang. Nachdem wir unseren Campervan in der Nähe von Taupô abgestellt haben, machten wir einen kleinen Abendspaziergang zu den Huka Falls. Martin war den ganzen Weg durch ein Waldstück amüsiert von meinem Schuhwerk (FlipFlops) und so kamen wir fröhlich gestimmt an dem so beeindruckenden Wasserfall an. 200.000 Liter pro Sekunde reisendes Wasser fließt da runter. Was für ein Tagesabschluss.
Eigentlich wollte Martin mit mir am nächsten Tag unbedingt eine riesen „Bungyschaukel“ den sog. Giant Swing ausprobieren, aber zum ersten Mal auf der Reise legte ich ein Veto ein und wir fuhren stattdessen wieder Richtung Wellington. Wir hatten nämlich noch zwei Dates mit der Südinsel oder besser gesagt mit dem Abel Tasman Nationalpark und mit Kaikoura. Und da das Wetter auch mitspielte, nahmen wir zum zweiten mal die Fähre, um wieder auf die Südinsel zu kommen. Unser Black Sheep brachte uns über die nicht ganz einfache Serpentinenküstenstraße von Picton nach Kaiteriteri an den Rand des Abel Tasman. Den Park selber kann man nur ohne Auto erkunden, da es dort keine Straßen gibt. Wir haben uns zunächst für das Kajak entschieden. Unsere Vormittagstour führte entlang der tollen Küstenlandschaft, in natürliche Höhlen und in eine Lagune, die nur bei Flut befahrbar ist. Am Nachmittag fuhren wir mit dem Wassertaxi zum Anchorage-Beach und machten eine kleine Wanderung ins Innere des Parks zu den Cleopatra-Pools. Diese waren insgesamt nicht so beeindruckend, aber wegen Martins Sprung ins eiskalte Nass und die natürliche Rutsche waren sie es wert! Unser Abendessen genossen wir mit unserem Campervan mit Blick aufs Meer und machten uns anschließend auf eine anstrengende Nachtfahrt Richtung Kaikoura. Wir wollten noch so weit wie möglich kommen, um nicht die ganze Strecke am nächsten Tag fahren zu müssen. Seit dem Erdbeben im November ist die eigentlich kürzere Strecke über den Highway 1 nördlich von Kaikoura nicht mehr passierbar. Und zu unserem Unglück wurde auch der Teil zwischen Kaikoura und Christchurch genau in dem Zeitraum für Bauarbeiten gesperrt. Deshalb musste der gesamte Verkehr, zu dem Nachts vor allem LKWs mit Holz und Baumaschinen zählen, durch die Inlandsroute rollen. Wir mittendrin statt nur dabei. Nach 470 km, gefühlt 1.000 LKWs und doppelt soviel Baustellen sind wir am nächsten Tag dann aber frühzeitig in Kaikoura angekommen. Leider war einer schon vor uns da, und zwar der Nebel! Anstatt traumhaften Meerblick sahen wir weiße Wände an uns vorbeiziehen. Wir ließen uns davon nicht beeindrucken und gingen nach dem Mittagessen am Strand entlang. Für Martin endete unser Weg mit einem nassen Fuß. Das passiert, wenn man auf die Freundin hört und ohne Furcht einen zu großen Sprung wagt. Zu meiner Verteidigung muss ich aber auch erzählen, dass er nicht wirklich gesprungen ist, sondern wegen der Kiesel am Boden einfach weitergelaufen ist. Für uns beide endete diese Aktion in einem Lachanfall. Das Video dazu ist Gold Wert. 😀 Da sich trotzdem teilweise der blaue Himmel durchkämpfte, wagten wir noch einen weiteren Spaziergang zum „Robbenstrand“. Erst liefen wir auf den Felsenplateaus herum und waren enttäuscht nur ein paar der Tiere aus der Ferne beobachten zu können. Wir gingen weiter und sahen gut getarnt das erste Exemplar faul vor uns liegen. Man musste wirklich aufpassen nicht auf die Robben selbst zu treten, da sich ihr trockenes Fell den Felsfarben angepasst hat. Und dann machte es plötzlich Plitsch, Platsch und es war um mich geschehen 😉 Ein Prachtkerl von Robbe ist neben mir aus dem Wasser gehüpft und posierte in aller Seelen Ruhe für unsere Kamera. Immer wieder hoppelte der Kollos weiter vom Wasser weg in unsere Richtung. Leider wurde der Himmel immer grauer und irgendwann konnten wir gerade noch den Weg vor uns sehen. Es war also Zeit zum Campingplatz zu fahren und unser Essen zu kochen. Im strömenden Regen lagen wir abends in unserem Bettchen und konnten nur hoffen, dass sich das Wetter bis morgen änderte. Und so war es auch. Als ich aufstand empfing mich die Sonne. Während Martin duschen war, besuchte ich den Strand der direkt vor unserer „Haustür“ lag. Ich war allein in der Bucht und schaute zu, wie die Nebelschwaden davonzogen. Getoppt wurde der Anblick noch von ein paar Delfinen, die immer wieder ihre Flossen zeigten und in Ruhe ihren Tag starteten. So wie ich eben auch. Nach einem leckeren Frühstück mit Rührei fühlte ich mich stark genug für eine Partie Minigolf. Diese Stärke verlies mich schnell wieder und ich verlor wie immer gnadenlos gegen Martin. Zum Glück waren wir nicht zum Golfen hier hergekommen, sondern um mit Robben zu schwimmen. Mit kleinen Abstechern über die Sandy Bay und einem Lookout über die Bucht von Kaikoura, machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Während der Fahrt hielt Martin immer wieder Ausschau nach Delfinen. Gerne hätte er auch mal welche entdeckt, aber die nun wieder aufkommende Nebelglocke machte das unmöglich. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir schon, dass unser letztes Abenteuer in Neuseeland wohl nicht stattfinden wird. So war es dann leider auch. Die Gruppe vor uns hatte schon kein Erfolg mit den Robben und deshalb wurde unsere Tour gänzlich abgesagt. Schade, aber besser als hätten sie uns rausgeschickt und wir hätten nichts gesehen. Also zurück Richtung Christchurch. Gemächlich tuckerten wir wieder zurück über die Inlandsstraße, vorbei an vielen Baustellen und immer gefolgt von klarem blauen Himmel. Wir konnten es kaum fassen, als wir die Küste verlassen hatten, stach die Sonne so sehr ins Fenster, dass wir sogar die Klimaanlage anschalten mussten. Wieder einmal stellten wir fest, dass die Natur ihre eigenen Gesetze macht. Unseren letzten Abend ließen wir mit einer leckeren Suppe erhitzt von unserem Gaskocher und der Vernichtung unserer letzten Süßwaren ausklingen. Ein bisschen melancholisch putzten wir am nächsten Morgen unser „Black Sheep“. Mit einem kurzen Stopp an einem Strand und einer kleinen Partie Minigolf (ich brauch euch nicht sagen, wer gewonnen hat) verabschiedeten wir uns dann von diesem tollen Land.
Uns  bleibt nur zu sagen, „Auf ein sicheres WIEDERSEHEN du schönes Neuseeland!“
Jetzt sind wir, wie gesagt, bereits ein paar Tage in Sydney. Wir haben die Blue Mountains besucht und morgen geht`s weiter nach Melbourne, wo wir uns ein Auto mieten und die Great Ocean Road abfahren werden. Die Geschichten dazu kommen aber erst in unserem nächsten Beitrag… wir wollen euch schließlich nicht allzu neidisch machen. 😉
Viele Grüße von Martin und eurer Map.